Kriminalität in Südafrika: Keine Entwarnung

In Südafrika ist die aktuelle Kriminalitätsstatistisk veröffentlicht. Sie bietet wenig Anlass zur Entwarnung. Zwar sank die Anzahl der Morde um 6,5% um 15.940 Fälle und die Anzahl der Raubüberfälle um 10% bzw. 16.889 Fälle, andere Delikte bleiben aber auf hohem Niveau oder steigen an.
Die Zahl der Vergewaltigungen nahm um 2,1% zu. Ebenso stiegen z.B. die Diebstähle aus Autos (123.091 statt 120.862) oder Drogenvergehen (150.673 statt 134.840) und an vielen Hot Spots bleibt schwere Gewaltkriminalität Alltag. Insgesamt erreicht Südafrika mit in diesem Jahr 2,1 Millionen Verbrechen international einen Extremwert. Die Polizei versagt häufig nicht nur bei der Aufklärung von Verbrechen, sondern sieht sich auch anhaltenden Vorwürfen der Korruption ausgesetzt. Aus dem Einflußbereich der Polizei verschwanden in diesem Jahr allein 1.335 Schußwaffen (3.226 im Vorjahr), von denen nur ein kleiner Teil wiederentdeckt wurde.
Jenny Reid von der Security Association of South Africa sagte, der Rückgang an Verbrechen sei zwar eine gute Nachricht, aber man solle auf einen weiteren Rückgang abzielen. Zu viele Verbrechen würden nach wie vor nicht gemeldet.
Kritisch ist auch Julie Berg von der Universität Kapstadt. Sie denkt, dass viele Faktoren bei diesem Rückgang nicht beachtet wurden. Nicht nur die eigenen Erfahrungen der Menschen würden diesem Rückgang nicht entsprechen, sondern auch die statistischen Methoden der Polizei, die sich z.B. zunehmend weniger auf Ermittlungen, als auf Schätzungen und Zählungen wie in Leichenschauhäusern verläßt.
Für die Freedom Front Plus erklärte Pieter Groenewald, der Sprecher der Partei für Themen der Inneren Sicherheit, dass man den Rückgang bei den meisten Gewaltverbrechen begrüße. Er verwies jedoch darauf, dass die Fußballweltmeisterschaft mit ihrer starken Polizeipräsenz die Statistik beeinflußt hat. "Der weltweite Durchschnitt für Morde liegt bei 7 Fällen pro 100.000 Einwohner und Südafrikas Zahl liegt jetzt bei 31,9 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Das ist fünf Mal höher als der weltweite Durchschnitt." Er verweist auf die hohen Zahlen bei Einbrüchen und Vergewaltigungen und schlußfolgert "Südafrika ist nach wie vor kein sicherer Ort, insbesondere nicht für Frauen". Statistisch nicht erfaßt würden die Zahlen für Farmmorde. Diesen Sachverhalt werde die Freedom Front im Parlament ansprechen. Auch dürfe nicht vergessen werden, dass nur rund 10% der Kriminellen rechtskräftig verurteilt würden. Neben der Polizei müsse auch die Rechtsprechung entschieden verbessert werden.
Neben der reinen Kriminalität erschwert auch die aufgeheizte politische Stimmung ein sicheres Zusammenleben in Südafrika. Gewalttätige Proteste haben in den letzten Wochen zu zahlreichen Verletzten und hohe Sachschäden geführt. Die Sozial- und Innenpolitik des seit 17 Jahren regierenden ANC ist dementsprechend umstritten.

2 Kommentare:

  1. Im Bereich der Judikative gibt es auch insofern Verstimmungen, als der neue Chief Justice (Oberste Richter) Mogoeng Mogoeng, den Präsident Zuma ernannt hat, der einzige Kandidat war. Mogoeng war Zumas Wunschkandidat.

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  2. Das ist nicht das einzige Problem mit Zumas Wahrnehmung von Kriminalität. Sein Kommentar, dass die Gefägnisse Südafrikas voll sind von schwarzen Menschen, weil schwarzen Menschen keine wirtschaftlichen Erfolgsmöglichkeiten in Südafrika gegeben werden, relativiert nicht nur Verbrechen, sondern ist angesichts der 17-jährigen Herrschaft von Zumas Partei ANC schlicht irreführend. Wer, wenn nicht die gemeinsamen Anstrengungen von Wirtschafts- und Innenministerium und den enormen Budgets dieser Apparate könnte an der bestehenden Situation sozialer Ungleichheit etwas ändern?

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