Die Glock 20 und 21 als Nachsuchewaffe

Die Diskussionen über das "richtige" Fangschusskaliber sind ähnlich kontrovers und umfangreich wie die Diskussionen über Büchsenmunition für die Jagd. Die Auswahl einer Kurzwaffe für Nachsuche, Jagdschutz und Schießtraining ist sogar komplexer, weil u.a. die Parameter Waffenrecht, Robustheit und Führigkeit der Kurzwaffe sowie Munitionsverfügbarkeit und Kosten und die Beherrschbarkeit durch den Schützen eine wichtige Rolle spielen. Mit der Standardversion der Glock 20 oder 21 (+ Wechsellauf) steht eine Lösung zur Verfügung die nahezu alle Parameter angemessen berücksichtigt.
Die Glock 20 (Standardversion) ist für das Kaliber 10 mm Auto ausgelegt, die Glock 21 (Standardversion) für das Kaliber 45 ACP. Diese Waffen sind mit 32,5 mm genau 2,5 mm breiter, als die Standardglocks in 9x19 oder anderen Kalibern. Dies kann für Menschen mit kleineren Händen Schwierigkeiten verursachen. Die Glock 20 hat ein Magazin für 15 Schuss und wiegt ohne Magazin 785 Gramm, die Glock 21 wiegt bei gleicher Breite 745 Gramm. Das Magazin kann 13 Schuss aufnehmen. Die Breite der Standardversion in 9 x 19 oder .40 S & W beträgt nur 30 mm.
               

Kaliber 10 mm Auto               
Das Kaliber 10 mm Auto – auch „the Big 10“genannt – ist was Pistolenmunition angeht eines der geeignetsten Kaliber. Es wurde entwickelt, um die Eigenschaften der am meisten verwendeten Pistolenkaliber 9 x 19 und .45 ACP zu übertreffen. Sie sollte eine bessere Mannstopwirkung und bessere ballistische Leistungen bieten und wurde von Norma 1983 für die Pistole Bren Ten auf den Markt gebracht. Die Patrone leidet bis heute unter ihrem schlechten Start, obwohl der legendäre Jeff Cooper einer ihrer starken Befürworter war.
Bei der teuren Bren Ten gab es Liefer- und andere Schwierigkeiten, und die Produktion wurde bereits nach drei Jahren wieder eingestellt, obwohl die Waffe starke Popularität dadurch erhielt, dass der auch in modischer Hinsicht stilbildende Miami Vice-Star Don Johnson sie in der ersten Staffel der Serie einsetzte. 1987 brachte Colt die Pistole Delta Elite in diesem Kaliber auf den Markt. Smith & Wesson zog mit dem Modell 1076 nach, das von der amerikanischen Bundespolizei in 10 mm Auto als Dienstwaffe eingesetzt wurde. Schnell jedoch kam man zu dem Ergebnis, dass eine schwächer geladene Patrone für den Dienstgebrauch aller FBI-Agenten sinnvoller ist, es entstand die Ladung „10 mm FBI“, die jedoch Schwierigkeiten mit der Waffe verursachte. Schließlich entstand aus einer Reihe weiterer Überarbeitungen die .40 Smith & Wesson. Nach wie vor setzen aber in den USA noch vereinzelte Behörden die 10 mm Auto ein, z.B. die Polizeien von Albuquerque und Anniston.

          Die Mündungsenergie der 10 mm Auto liegt zwischen der der Revolverkaliber .357 Magnum und .41 Magnum und die Patrone lässt sich gewiss nicht schwerer beherrschen als die ungebrochen populäre .44 Magnum. Mit der richtigen Waffe – wie der Glock 20, die schon als „perhaps the most controllable 10 mm pistol yet developed” bezeichnet wurde, ist die Beherrschung des Rückstosses bei einem einigermaßen geübten Schützen kein Hindernis. Vielleicht ist es richtig, dass erstens ein regelmäßiges und umfangreiches und für alle verpflichtendes Kurzwaffentraining für viele Polizeien illusorisch ist, und zweitens die kleineren Abmessungen, die eine .40 S&W oder 9 x 19 benötigt, allen Polizistenhänden (auch kleinen) eine Standardwaffe „von der Stange“ passen lässt. Damit würde die 10 mm Auto als Dienstwaffenmunition natürlich ausscheiden. Eine interessante Verwendung der Patrone erfolgte durch das Hostage Rescue Team (HRT) des FBI, die 1992 eine Heckler & Koch Maschinenpistole MP 5 in 10 mm Auto orderten (MP 5/10).
          Die Wahl fällt deshalb auf die 10 mm Auto, weil sie für eine der gefährlichsten Nachsuchesituationen gut geeignet ist: annehmendes Schwarzwild mit tief gehaltenem Kopf, kürzeste Distanz, schneller, frontaler Angriff. Hierfür eignen sich schnelle, lange und harte Geschosse, die den Knochen durchschlagen können (also z.B. anders als beim Fangschuss als Kammerschuss auf krankes Reh oder Hirsch keine Hohlspitzgeschosse). Allerdings ist Munition in 10 mm Auto nicht nur teuer, sondern mitunter auch schwer erhältlich. Das bedeutet entweder den Einstieg ins Wiederladen oder genaue Suche nach Munition und Anlegen eines angemesenen Vorrats. Auf jeden Fall bedeutet es auch, dass man sorgfältig mit diesem rückstoßstarken Kaliber trainieren muss, aber für das regelmäßige und häufige Schiessen außerhalb des wirklichen Fangschusstrainings - also etwa das Training auf die an den meisten Ständen zwangsläufige 25 m Distanz - einen Wechsellauf für ein anderes und zwar preiswerteres und leicht erhältliches Kaliber verwenden sollte. 
               
Das Kaliber .45 ACP ist demzufolge (kurzes, langsames Geschoss) weniger nachsuchetauglich (185 g/12 gr; 285 m/s; 485 Joule - ebenfalls Prvi Partizan), die Wahl einer Glock 21 in diesem Kaliber hat aber zwei andere wichtige Vorteile: Munition in .45 ACP ist als vergleichsweise billige und leicht verfügbare Trainingsmunition erwerbbar und die Wahl dieses Kalibers (11,4 x 23 mm) ermöglicht ohne erneute Bedürfnisprüfung den Erwerb gleicher oder kleinerer Wechselläufe - also z.B. den des Kalibers  10 mm Auto (10 x 25 mm). Um es zu verdeutlichen: der Inhaber eines Jagdscheins kann ohne zusätzliche Bedürfnisprüfung (das Bedürfnis ist bereits durch die Ausübung der Jagd vorhanden) zwei Kurzwaffen in geeigneten Kalibern erwerben sowie Wechselläufe für diese Waffen in kleineren oder gleichen Kalibern. Also ist, wenn schon eine erste Kurzwaffe vorhanden ist (z.B. eine im Kaliber .22 lfB für die Fallenjagd) der vorangehende Erwerb einer Glock 17 in 9 x 19 und dann eines Wechellaufes in 10 mm Auto, .40 S & W oder .357 SIG nicht möglich). Umgekehrt kann jedoch die größerkalibrige Waffe problemlos als zweite Kurzwaffe erworben werden und dann können dafür kaliberkleinere Wechselläufe angeschafft werden.
        
Glock mit klassischem Anschlagschaft
                  
Für die Glock spricht neben ihrer sprichwörtlichen Robustheit (Tenifer-Oberflächenveredelung für Lauf und Verschluss, korosionsbeständiges Polymergriffstück), ihres geringen Gewichts und ihres gleichbleibenden Abzugwiderstadns von der ersten bis zur letzten Patrone zweifelsohne auch ihr Preis (die rund 650 Euro erlauben gerade den Erwerb eines "billigen" Revolvers von Taurus oder Ruger, obschon dies natürlich zuverlässige Waffen sind) und die Vielzahl von Wechselläufen und weiterem Zubehör. Sollen doch den Waffengegnern die Haare zu Berge stehen: mit einer Waffe sicher umzugehen erfordert es, sich damit regelmäßig und ausgiebig zu beschäftigen und zwar gesamthaft - also auch was Lade- und Entladetätigkeit, Zerlegen und Zusammensetzen, aus dem Holster nehmen etc. umfaßt, nicht nur reines Schiessen und Treffen.
               
Eine attraktive Lösung mit Glock-Pistolen für Nachsuche, Jagdschutz und Training könnte deshalb bedeuten: Erwerb einer Glock 20 (10 mm Auto) oder Erwerb einer Glock 21 (.45 Auto) sowie eines Wechsellaufs in 10 mm Auto.
Es sollte sich von selbst verstehen, die besondere Gefährdung der Umgebung durch Geschosse wie das im Kaliber 10 mm Auto zu berücksichtigen (Abpraller) - insbesondere bei harten Boden (z.B. Frost, Gestein) und/oder durch Bewuchs oder Hunde in unübersichtlicher oder sehr dynamischer Situation. Das kann einer der Gründe für den heute oftmals belächelten oder auch aus Unkenntnis und Unvermögen gefürchteten Einsatz der kalten Waffe sein.
Es erübrigt sich zu sagen, dass jeder Schütze für die Schussabgabe ausschließlich selbst verantwortlich ist und sich nicht nur mit der konkreten Situation, sondern auch dem Leistungsvermögen seiner Kaliber-/Geschosswahl vetraut machen muss.
         

Literatur/Verweise
- Glock: Eine Pistolenlegende wird 30
- Internetseite Glock (Deutsch)
- Wechselläufe Glock (IGB Austria; Deutsch)
- Glock Zubehör (Deutsch)
- Glock Conversion (Englisch)
- Robert H. Boatman: Living with Glocks: The Complete Guide to the New Standard in Combat Handguns. (Englisch)
- Patrick Sweeney: The Gun Digest Book of the Glock. (Englisch)

7 Kommentare:

  1. Nicht nur wegen fehlender Möglichkeiten bei Nachsuche/Fangschuss und Fallenjagd kann ich Jäger nicht verstehen, die sich keine Kurzwaffe zulegen. Damit schränken sie nicht nur ihre jagdlichen Möglichkeiten ein, sondern auch ihre waffenrechtlichen: Zwei geeignete Kurzwaffen sind ohne weitere Bedürfnisprüfung erhältlich. Das erfordert nichts anderes als einen Gang zur Behörde, das Abholen eines Voreintrages, dann den Kauf und schließlich den zeitgerechten endgültigen Eintrag nebst Munitionserwerbsberechtigung. Behördenaufwand ca. 30 Min, Kosten ein paar Euro. Es kann natürlich sein, dass es in den Revieren der Betroffenen nur lichtes Altholz gibt oder, dass sie stets kunstgerecht mit der Saufeder abfangen. Es kann auch sein dass wirklich jeder Schuss dieser Jäger ein schnell wirkender Treffer in die Kammer ist und es keinerlei durch Verkehrsunfälle verletztes Wild gibt, weil alle ganz vorsichtig fahren. Oder es wohnen jeweils ringsum Freunde mit Kurzwaffen und brauchbaren Hunden, die an Freizeit nicht interessiert sind. Und der Jagdschutz wird vom bestätigten Jagdaufseher übernommen, der ebenfalls Freizeit nicht schätzt. Aber vielleicht habe ich auch etwas falsch verstanden ...

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  2. Das beste Argument für eine Kurzwaffe ist das schlechte Repetieren im Rückwärtslaufen angesichts einer sich auftuenden Sau.

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  3. Hallo, Jagd mit der Kurzwaffe in den USA - auch mit der Glock: http://keithwarren.net/?p=1008
    Bevor es Geschrei von wegen waidgerecht gibt: Andere Länder, andere Jagdkultur. Wem die jagdmethoden in Amerika oder Afrika nicht passen, der braucht sie ja dort nicht auszuüben. Viele Afrikaner halten z.B. Jagd mit dem Hund (nicht Nachsuche) für nicht in Ordnung!

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  4. Es gibt eine historisch begründete Ablehnung von Faustfeuerwaffen durch "alte" Jäger. Die Argumente die vorgebracht werden um Jägern die KW auszureden sind unendlich. Zu wenig Energieabgabe im Wildkörper, brauchen wir nicht, geht auch mit dem kurzen K98 in 8x57, bis zu dem völlig absurden Hinweis, dass früher Wilderer oft Pistolen einstecken hatten, oder nur Kriminelle KW, der richtige Jäger aber nur seine Büchse führt. Alles blödsinniger Quatsch. Ich führe eine Glock 20 und nichts ist für die Nachsuche auf Schwarzwild im dichten Unterholz besser geeignet. Schon drei mal habe ich annehmende Keiler mit der 10mm stoppen können. Zwischen 0 und 5 Metern.

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  5. ich kann dem nur zustimmen- mir geht es ähnlich. immer mal wieder klingelt das telefon weil "herr nachbar"(1büchse, 1 flinte, das wars und der rest ist überflüssiger quatsch) mit seiner .308 ein wildschwein angebleit hat.. schon ist er froh dass ich mich mit G20 und evtl anderem geschirr aus dem oft belächelten (aber umfangereichen ;-))arsenal auf den weg in den busch mache..

    -10Auto/glock20 kann ich uneingechränkt empfehlen. -allerdings zum fangschuss mit teilmantel, ich habe erfahren müssen wie sich ein "modernes" hohlspitzgechoss auf hartem knochen zerlegt hat ohne ihn zu penetrieren. (war allerdings auch ziemlich schnelle m aximalladung; (und das stück wild nach verkehrsunfall nicht mehr mobil))
    Auf die Kombi G21 + wechselsystem auf 10 auto überlege ich auch zu wechseln um wieder einen platz zu schaffen.

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  6. Ich möchte meinem Kommentar vom 04.08.2011 noch eines draufsetzen. Als Munition zur Nachsuche auf Schwarzwild für meine Glock 20 in 10mm führe ich selbstgeladene .400 Calibre Impala Solid Flachkopfgeschoße. Das leichte 120gr (7,78 Gramm) Geschoß beschleunigt mit 0,40 Gramm P801 auf eine V0 über 400 M/sec und hat eine unglaubliche Penetration.(Dies ist keine Ladeempfehlung und jeder Schütze ist selbst für seine Munition verantwortlich) Das Geschoß durdringt sowohl den Schädelknochen der stärksten Sau, als auch proplemlos den Kammerbereich. Habe beides schon selbst anwenden müssen. Außerdem ist es mir ein Bedürfnis etwas loszuwerden. Im Netz kursieren unzählige Beiträge über das Kaliber 10 mm. Leider hat hier offensichtlich jeder von jedem abgeschrieben. Der obige Beitrag von JagdWaffenNetz ist eine löbliche Ausnahme. Fundiert geschrieben und recherchiert, statt nur abgekupfert. Die 10mm aus der Glock 20 ist für einen normalgewachsenen Mann (180 cm+) mit normalgewachsenen Hände ohne Probleme zu kontrollieren. Sie schiesst sich nicht unangenehmer als mein S&W M19 Revolver in .357 Magnum. Sie verlangt einfach mehr Übung, aber schießen macht ja auch Spaß, oder? Ich bin zumindest 2 mal im Monat am Schießstand und verbrauche jedesmal 50 Schuß Munition. Zum Abschluß möchte ich noch erwähnen, dass es neben den beiden oben erwähnten Polizeieinheiten noch eine militärische Spezialeinheit gibt, die auf die Glock 20 setzt. Und zwar die dänische, in Grönland eingesetzte Slædepatrulen Sirius. Warum ist klar, die Mögklichkeit einem netten Eisbären zu begegnen sind imminent. Für den Jagdschutz und zur Selbstverteidigung führe ich ebenfalls selbstgeladene Massivkupferhohlspitzgeschoße .400 TAC-XP der Firma Barnes 140 gr.

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  7. http://www.gunslot.com/articles/10mm-auto

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