Solide Outdoor-Ausrüstung für Licht, Wärme, Nahrungszubereitung


Man muss kein „Freund“ von Krisenszenarien und Survivalism sein, um in eine solide Ausrüstung für „die großen Drei“, Licht, Wärme und Nahrungszubereitung, zu investieren – die gelegentliche Nutzung einer Jagdhütte oder einer Schlafkanzel reicht aus, um sich darüber Gedanken zu machen. Im Folgenden werden einige bewährte und vor allem solide Produkte besprochen. Selbstverständlich gibt es jeweils Wettbewerbsprodukte, die hier genannten sind aber persönlich auf Herz und Nieren erprobt.
                                
Wärme
Am kritischsten, nicht nur wegen des Erlebniswertes eines Aufenthaltes „draußen“, sondern auch in gesundheitlicher Hinsicht, ist der Erhalt und die Erzeugung von Wärme. Während zum Erhalten der Körperwärme (neben warmer Kleidung) Schlaf- und Ansitzsäcke, Wolldecken und nötigenfalls dazugehörige Schlafplätze verwendet werden können, dienen (neben insbesondere warmen Speisen und Getränken) Zelt- und Petroleumöfen der Wärmeherstellung.
     Hersteller, die heute moderne Streitkräften für teilweise extreme Einsatzorte beliefern und deshalb nicht nur mehrere (heute wählerische) Beschaffungsbehörden, sondern auch viele Tausend Soldaten bei teils intensiver Nutzung zufrieden stellen müssen, kommen naturgemäß in die engere Wahl – so auch bei Schlafsäcken. Carinthia beliefert nicht nur den Sport und Freizeitmarkt, sondern u.a. auch die Streitkräfte Deutschlands, der Schweiz, Belgiens, Finnlands und Schwedens mit Biwaksäcken, Kälte- und Nässeschutzbekleidung sowie Schlafsäcken für verschiedene Klimazonen. Das militärisch nutzbare Programm ist in der Regel u.a. in der Farbe Oliv erhältlich. Hier betrachtet werden soll das System aus dem Schlafsack „Tropen“ (rund 130 Euro) mit einem Komfortwert von 5 Grad Celsius (Extremwert -12 Grad) und besonderer Atmungsaktivität und dem Schlafsack „Defence 4“ (rund 150 Euro) mit einem Komfortwert von -15 Grad (Extremwert -38 Grad). Die beiden Produkte sind sowohl für die getrennte Verwendung vorgesehen, als auch für eine Kombination, die einen Komfortwert von -35 Grad (Extremwert -45 Grad) ergibt.
Der wesentlich teurere, ebenfalls empfohlene Schlafsack „Survival One“ von Carinthia (rund 290 Euro, Komfortwert -25 Grad, Extremwert -35 Grad) ist zusätzlich zum normalen Gebrauch mit Ärmeln und einem hochklappbaren Fußbereich versehen und kann dadurch praktisch wie ein Kälteschutzmantel bzw. Ansitzsack verwendet werden. Carinthia-Schlafsäcke sind sehr warm und durchaus robust. Wie jeder andere Schlafsack auch, sollten sie jedoch bei der Verwendung im Freien (außer im Hochsommer) mit einem atmungsaktiven Biwaksack verwendet werden und grundsätzlich auf einer Unterlage liegen wie einer soliden Iso-Matte oder einem (möglichst robusten Feldbett), um Kälte- und Nässeeinwirkung von unten und Beschädigung zu vermeiden.
     Eine mit einem Bett oder Feldbett ausgestatte Jagdhütte mag auch mit einer oder mehreren geeigneten Wolldecke auskommen. Nur wenige Produkte sind so haltbar, groß und preiswert wie die am Markt erhältlichen (ungebrauchten) Wolldecken der Bundeswehr. Bei einer Größe von 2,0 m x 2,1 m werden sie heute für 20 bis 25 Euro ungebraucht bei Ausrüstern und Militärshops gehandelt.
     Zeltöfen stehen heute ebenfalls neuwertig aus Militärbeständen zur Verfügung. Ihr Einsatz in geschlossenen und ungelüfteten Räumen ist nicht gefahrlos und sie dürfen nicht an Stelle eine Kleinfeueranlage betrieben werden, die zugelassen und vom Schornsteinfeger abgenommen sein muss. Für diese Öfen spricht aber nicht nur, dass sie mit Holz beheizt werden (das in jedem Revier relativ unproblematisch gewonnen werden kann – allerdings ist auf die lange notwendige Lagerzeit von mindestens einem Jahr zur Erlangung eines guten Heizwertes zu verweisen) und leicht (und deshalb mobil) sind, sondern auch ihr Preis. Bereits für rund 150 Euro ist heute ein neuwertiges Exemplar nebst Ofenrohren zu bekommen (Beim Betrieb müssen u.a. Brand- und Rauchgasvergiftungefahren beachtet werden).
Leistungsstärker, aber auch störungsanfälliger sind Petroleumöfen wie sie z.B. in Baumärkten vertrieben werden. Für den Betrieb in geschlossenen Räumen treffen die selben Einschränkungen zu.
               
Licht
An zweiter Stelle kommt von der Bedeutung her die Frage der Lichtquelle. Hierbei soll es nicht darum gehen, eine spezielle Lampe für die Nachsuche zu erwerben, an die bezüglich Lichtstärke, Farbe des Lichts (Erhaltung der Nachtsehfähigkeit und optimale Schweißwahrnehmung) und leichter Handhabbarkeit (z.B. zur gleichen Zeit wie eine Kurzwaffe) besondere Anforderungen zu stellen sind.
Es geht vielmehr um die Ausleuchtung einer Hütte oder eines Lagerplatzes unabhängig von elektrischem Strom. Auch wenn eine Petromax als ehemaliger Ausrüstungsgegenstand der Bundeswehr Erinnerungen an den Wehrdienst weckt und nostalgisch aussieht, hat sich eine „North Star“ von Coleman (die Benzinversion – es gibt auch eine Propangasversion) für 120 bis 140 Euro bewährt. Die kleineren Benzinlampen von Coleman sind weit weniger robust und weniger hell. Die North Star verbraucht bei 2 Kg Eigengewicht mit einem Liter bleifreiem Benzin für sieben bis 14 Stunden Licht und erzeugt bis zu 200 Watt. Sie ist robust genug, um auch eine einigermaßen rohe Behandlung im Gelände auszuhalten. Die Lampe ist so beliebt, dass es im Internet eine Reihe von Lockangeboten für um die 120 Euro gibt. Meist ist die North Star aber gerade zufällig ausverkauft. Bekannteren Anbietern sollte deshalb der Vorzug gegeben werden – auch im Hinblick auf Ersatzteile (z.B. Glühstrumpf und Benzinpumpe) und Gewährleistung.


     Die Petroleumlampen von Feuerhand sind natürlich ebenfalls bewährt und in einer verzinkten Form bereits für rund 12 Euro erhältlich. Wenn man noch rund 2 Euro für einen Liter Petroleum oder (schlechter, weil stärkere Verrußung) Lampenöl investiert, weiß man, warum es Feuerhand bereits zum Ausrüstungsgegenstand der Armee Kaiser Wilhelms gebracht hat: Die Lampe ist preiswert, sehr solide und brennt außergewöhnlich preiswert. Ein paar Ersatzdochte sind die einzigen Ersatzteile, die über Jahre gebraucht werden. Aber die Lampe ist für manche Tätigkeiten und größere Räume einfach nicht hell genug (maximal 20 Stunden brennt sie mit etwas über 0,3 Litern Petroleum) und ergänzt deshalb die „North Star“, ersetzt sie aber nicht. Sie wiegt allerdings nur etwas über 500 Gramm und kostet in der einfachsten Fassung nur rund 12 Euro.
     Schließlich ist es mit einer (oder zwei) stationären Lampen nicht getan. Man braucht eine zuverlässige Lampe im Auto und für Wege (vom Auto zur Hütte etc.). Trotz aller LED-Technik und anderer Neuerungen ist auf einen Hersteller „traditioneller Taschenlampen“ nach wie vor Verlass: Auf Maglite aus den USA. Die Lampen sind robust, lassen sich mit einem einfachen Kunststoffaufsatz zu einem Leuchtstab (Verkehrsunfall, Notsignal) umrüsten, dienen nebenbei (auch ohne merkwürdigen gezackten Rand) ganz legal zur Selbstverteidigung (insbesondere die schweren Modelle mit 3 oder 4-D-Zellen-Batterien; sie wiegen ohne Batterien rund 300 Gramm) und sind mit 40 bis 50 Euro so preiswert, dass man davon mehrere herum liegen lassen kann (eine in jedem Auto, in der Jagdhütte, in der Garage etc.) – so dass sich notfalls Ersatzteile finden und immer die gleichen Batterien bevorraten lassen.
                        
Nahrung
Zwar gibt es vor jeder besseren Jagdhütte eine Feuerstelle, aber erstens ist es nicht zu jeder Jahres- und Tageszeit angenehm, darauf etwas zu Essen zuzubereiten, zweitens dauert es lange und drittens ermüdet die Zubereitungsart „Grillen“ irgendwann (insbesondere, wenn man dies zu Hause auch noch betreibt) und limitiert die möglichen Zubereitungsarten.
     Wenn man dennoch am offenen Feuer kochen will, setzt man dazu am besten einen Dutch Oven ein (am besten ein Edelprodukt von Lodge) oder einen südafrikanischen Potije (beide werden inklusive einer kompetenten und umfassenden Beratung von Carsten Bothe vertrieben). Billigversionen aus Gusseisen zweifelhafter Herkunft sind nicht zu empfehlen. Zwar setzt der Einsatz dieser gusseisernen Töpfe eine gewisse Übung voraus, es lohnt sich aber dazu Bücher wie "Auf offenem Feuer. Grillen, Braten, Kochen" oder "das große Dutch Oven Kochbuch" (beide von Carsten Bothe) zu Rate zu ziehen und das Kochen damit einige Male auszuprobieren. Zudem versendet Bothe auch kostenlose kleine Ratgeberhefte. Zwar ist das Kochen mit diesen Töpfen vergleichsweise mühsam, stellt aber ein spannendes und geselliges Erlebnis dar und man benötigt nur ein Holzfeuer und anschließend Wasser zur Reinigung (kein Spülmittel verwenden). Und schließlich: diese gusseisernen Töpfe „funktionieren“ auch noch, wenn witterungs- oder technikbedingt nichts anderes mehr funktioniert und sie sind nahezu unzerstörbar – nicht umsonst wurden sie trotz ihres Gewichts auf den Planwagen der Pioniere in Amerika oder der südafrikanischen Voortrekkers mitgeführt.


     Für alle Fälle, in denen ein schnelleres Kocherlebnis gefragt ist, bietet sich der Benzinkocher „Multi Fuel“ von Coleman an. Wenn man auf die lästigen Gastkartuschen verzichten will (bleifreies Benzin ist ständig und leichter erhältlich und er brennt auch mit Petroleum) und z.B. für die Benzinlaterne und einen Kocher nur einen Brennstoff bevorraten oder mitführen will (Gewicht ohne Brennstoff 600 Gramm), ist der „Multi Fuel“ die erste Wahl. Vor allem ist er standfester und solider, als viele andere Kocher – auch als andere Coleman-Produkte und er ist einfach zu bedienen. Er ist mit rund 100 Eure allerdings erheblich teurer als Gaskocher.
     Schließlich gibt es noch einen möglicherweise überraschenden Ausrüstungsgegenstand. Die Schweizer Firma Emmi hat ein zerlegbares Mini-Raclette auf den Markt gebracht, das für rund 13 Euro vertrieben wird und zusammengelegt nicht größer als ein Taschenbuch ist. In diesem Gestell wird eine beschichtete rechteckige „Pfanne“ von vier Teelichtern erhitzt, auf der Mann Raclette-Käse erhitzen und dann mit einem Holzschaber abstreifen kann. Erstaunlich ist, wie wenig von den Teelichten für eine vergleichsweise schnelle Zubereitung von drei, vier umfangreichen „Brotaufstrichen“ aus geschmolzenem Käse benötigt wird. Ähnlich wie beim Dutch Oven bzw. Potije bietet dieses preiswerte Gerät zudem einen hohen Erlebniswert. Über fehlende Sättigung kann sich jemand, der drei oder vier Brote mit ebenso vielen Portionen Raclette-Käse gegessen hat, jedenfalls nicht beklagen.

Übrigens: Wir haben von keinem der Hersteller irgendwelche Zuwendungen oder Testgeräte bekommen (und natürlich auch nicht danach gefragt!).
             
Verweise
Jagd im Winter