Feld- und Klappspaten: Waffe und Werkzeug für die Feldbefestigung

Irgendwann Ende der 80er Jahre kursierten in meiner Kompanie zwei Bücher des sowjetischen Überläufers Viktor Suworow. Das eine behandelte den Militärnachrichtendienst GRU, das andere die sowjetischen Spezialkräfte Speznas - damals unsere potenziellen Gegner. In dem Speznas-Buch wurde auch die Ausbildung der Soldaten genau beschrieben. Eine wichtige Rolle dabei spielte der Feldspaten.
Die Speznas verwendeten den gleichen Spaten wie andere russische Soldaten, nur war ihre Ausbildung damit intensiver und beschränkte sich nicht nur auf Schanzarbeiten. Der Spaten wurde auch zum Nahkampf, sogar zum Wurf, eingesetzt. Das Thema faszinierte mich auch deshalb, weil wir unsere Spaten nur zum Schanzen einsetzten und auch in der Nahkampfausbildung darauf nicht eingegangen wurde.


Speznas Shovel (Cold Steel), Feldspaten (MFH), Klappspaten (Bw)


Aber der Reihe nach: Schon die römischen Legionäre führten auf ihren Märschen Schanzwerkzeug mit sich, darunter auch Hacken und Spaten. Sie wurden u.a. dazu verwendet, bei der abendlichen Rast in potenziell feindlichem Gebiet eine Feldbefestigung anzulegen. In Anbetracht der Marschleistungen von bis zu 30 km eine harte Zusatzaufgabe.

Schanzarbeiten spielten historisch betrachtet eine unterschiedliche Rolle bei bewaffneten Konflikten: Es gibt bei Kampfhandlungen, wo es genug Zeit für wenigstens rudimentäre Feldbefestigungen oder Verbesserungen von Geländegegebenheiten gegeben hätte, sowohl Belege für umfangreiche Schanzarbeiten (etwa im Dreißigjährigen Krieg), als auch für die ausschließliche Konzentration auf vorhandene Geländegegebenheiten und Bebauung (etwa bei der Schlacht bei Waterloo 1815).

Und selbst die Anlage von Feldbefestigungen bedeutet nicht, dass diese durch die kämpfende Truppe selbst angelegt wurden. Für bereits ab dem Jahr 1500 lassen sich Truppenteile mit dem Auftrag Schanzen anzulegen, feststellen. Diese Sappeure bilden gemeinsam mit anderen Spezialisten, insbesondere Mineuren (für den Umgang mit Sprengstoffen und entsprechenden Kampfmitteln) und Pontoniers (für das Errichten von Brücken) die Vorläufer der in Deutschland ab 1810 existenten Pioniertruppe.


Rückseiten der drei Spaten


1870 wurde dem dänischen Offizier Mads Linnemann ein Patent auf einen Feldspaten ("Feltspade") erteilt und bald darauf rüsteten mehrere europäische Armeen Truppenteile, insbesondere die Infanterie, damit aus. Der Spaten war wieder dorthin zurückgekommen, wo er her stammte: zu der kämpfenden Truppe. Und er wurde im Wesentlichen dazu benutzt, Feldbefestigungen zu errichten, um sich gegen feindliches Feuer zu schützen.

Paradoxerweise wurde 1871, also fast zeitgleich, an die US-Armee das Trowel Bajonet ausgegeben, das ausdrücklich neben seiner Primärverwendung auch zum Graben verwendet werden konnte und sollte. Aber das war ohnehin mit jedem großen Messer mit breiter Klinge möglich. Dem Trowel Bajonet war deshalb keine lange Verwendung beschieden.

Insbesondere im Ersten Weltkrieg erlangte der Feldspaten große Bedeutung. Natürlich spielten Feldbefestigungen besonders im starren Stellungskrieg an der Westfront eine enorme Rolle und das Kriegstagebuch meines Urgroßvaters spricht bereits ab August 1914 von einem steten Wechsel von Märschen und Schanzarbeiten. Aber unter den Umständen von Grabenkämpfen auf engem Raum wurde auch das Potenzial des Feldspatens unter diesen beengten Verhältnissen erkannt. Neben improvisierten Morgensternen und Grabendolchen, wurde u.a. auch der geschliffene Spaten im Nahkampf eingesetzt.

In Deutschland setzte die Wehrmacht ab Ende der 30er Jahre dann einen Klappspaten an Stelle des Feldspatens ein. Er verfügte selbst mit längerem Stiel (der ein effizienteres Arbeiten ermöglichte), über ein kleineres Packmaß und konnte beim Feststellen im 90 Grad-Winkel zugleich als Hacke eingesetzt werden.


Klappspaten am Koppel eines US-Fallschirmjägers 1944


Nur wenige Kriegsschauplätze des Zweiten Weltkrieges sahen auch so umfangreiche Schanzarbeiten wie die Jahre zwischen 1914 und 1918. Aber das, wenn auch nur kurzzeitige Eingraben in Schützenmulde oder Schützenloch, rettete manchem Landser angesichts zunehmender Überlegenheit gegnerischer Feuerkraft das Leben. Der Spruch "Schweiß spart Blut" bezieht sich auch ursprünglich nicht darauf, dass Ausbildung und Training dazu beitragen, Opfer zu vermeiden. Es handelt sich vielmehr um den Titel eines Lehrfilmes des Oberkommando des Heeres von 1943. Der ganze Titel heißt "Eingraben im Gefecht: Schweiß spart Blut". Aber es gab daneben noch eine ganze Reihe weiterer Lehrfilme über Schanzarbeiten, wie z.B. über das Anlegen von Feldbefestigungen im Winter (hier anzusehen).


Unbestritten ist der die leichtere Transporttierbarkeit eines Klappspatens


Als ich zur Bundeswehr kam, erhielten wir in der Grundausbildung einen Spaten aus den 50er Jahren (ähnlich dem der Wehrmacht), später dann eine moderne Version mit einer Art Sägezahnung an zwei Seiten und zwei Scharnieren mit denen man den Spaten noch kleiner zusammenklappen konnte. Zwar verringerte sich dadurch das Packmaß noch weiter, aber das Gewicht blieb zusammen mit dem anderen Gepäck eine Belastung. Dieser Umstand führt zu Entwicklungen wie dem Glock-Klappspaten, dessen Stiel nicht aus Holz, sondern aus festem Kunststoff ist.
Während wir uns tagelang in den Sandboden von Truppenübungsplätzen eingruben, übten Spezialkräfte des Ministeriums für Staatssicherheit Terror- und Sabotageakte gegen die Bundesrepublik. Dazu gehörte auch der Nahkampf mit dem Spaten, wie man in Thomas Auerbachs Buch "Einsatzkommandos an der unsichtbaren Front" lesen kann.

Irgendwann entdeckte ich die Speznas Shovel von der Firma Cold Steel, die bewußt mit dem Speznas-Mythos spielt, so als wäre dieses Werkzeug irgendwie anders gewesen, als alle anderen sowjetischen Spaten. Lustigerweise mußte man beim Kauf einen Altersnachweis vorweisen, so als könnte man nicht jeden Spaten ähnlicher Größe ebenso schleifen und "gefährlich" machen.

Seit dem Ende des Kalten Krieges und unter neuen Einsatzbedingungen spielen Schanzarbeiten der kämpfenden Truppe nur noch eine geringe Rolle. Mit der Rückkehr der Ost-West-Konfrontation und damit verbunden der Panzer- und Infanterieformationen in Osteuropa, nur wenige hundert Kilometer östlich vom ehemaligen Eisernen Vorhang, mag sich das wieder ändern.


Befestigung des MFH- bzw. Cold Steel-Spatens


Ich verwendete die Speznas Shovel auf der Jagd einige Jahre lang zum Graben (z.B. zum Vergraben von Aufbruch, Asche oder Fäkalien), spaltete und hackte damit aber auch hin und wieder Holz. Im Gegensatz zu einem Beil oder großen Messer war nämlich dieser Spaten stets im Auto. Er hat all das überstanden und auch bei Gartenarbeiten und sogar beim Bau von Sandburgen im Urlaub am Meer "mitgewirkt". Dabei rostete er leicht und bekam auch einige Scharten. Beides konnte ich allerdings mit Feile, Schleifstein und Waffenöl entfernen.

Beim Mitführen im Auto spielen Gewicht und Packmaß keine große Rolle, deshalb sehe ich keine Notwendigkeit für den Klappspaten - zumal das Hacken mit ihm schwerer ist, denn der Griff bietet nur wenig Platz, um ihn dafür festzuhalten.

Die Speznas Shovel kann man bereits für um die 30 Euro kaufen, einen gut erhaltenen Bundeswehr-Klappspaten für die gleiche Summe (Vorsicht, häufig werden Nachbauten verkauft; auf den Hinweis "gebraucht" oder "Bundeswehrbestand" achten). Ein Glpck-Feldspaten schlägt hingegen mit rund 50 Euro zu Buche.

Ich habe mir für weniger als die Hälfte der Summe bei Amazon einen Feldspaten von MFH gekauft. Er war sauber gearbeitet und lackiert, allerdings kein bisschen scharfkantig und mit einem leicht wackelnden Stiel. Beides ließ sich jedoch nacharbeiten. Früher oder später wird das aufgrund des Gebrauchs aber auch bei anderen Spaten notwendig.

Von der Möglichkeit her, die Spaten am Koppel oder Gürtel zu tragen oder auch nur außen am Rucksack zu befestigen, sind die Scheiden von allen drei nicht optimal. Beide Feldspaten bedürfen zudem meiner Meinung nach einer Überarbeitung des Stiels durch Aufrauen mit Schleifpapier (Wasser dringt dann allerdings leichter ins das Holz ein) oder durch Aufkleben von Tape (insbesondere aggressives Skateboard-Tape), wenn man sie gegen wegrutschen sichern möchte.

 
Die Möglichkeiten die Spaten am Koppel zu tragen, sind bei allen dreien schlecht


Ein geschliffener Spaten ist für mich wichtiger, als eine Axt oder ein Beil, denn ich kann mit ihm graben, hacken, hämmern, im Notfall brennende Holzscheite oder Kohle bewegen (auch wenn ihm das am meisten schadet) oder auch kämpfen. Und da ich meinen Spaten nicht irgendwo in einem Gepäck oder am Koppel mitführe, benötige ich auch keinen zum Klappen.


Irgendwann benötigt jeder Spaten Nacharbeiten