Beitrag von Sammlern, Jägern und Schützen für das Gemeinwesen anerkennenswert

Interview mit Dr. Hans Scholzen, Vorsitzender Verband für Waffentechnik und -geschichte
Sehr geehrter Herr Dr. Scholzen, die umstrittene grün-rote Koalitionsvereinbarung in Baden Württemberg zielt u.a. darauf ab, langfristig den privaten Besitz von Kurzwaffen und Munition zu illegalisieren. Wie beurteilen Sie vor diesem Hintergrund derzeit die Situation des Legalwaffenbesitzes in Deutschland?
"Lassen Sie mich zunächst eins klarstellen: Der private Legalwaffenbesitz in Deutschland ist nicht kriminalitätsrelevant. Von privaten Waffenbesitzern, seien es Sammler, Jäger oder Schützen geht keinerlei Gefahr aus. Im Gegenteil: Die kulturhistorische Leistung einer Sammlung, die Bedeutung der Jagd für die Erhaltung eines artenreichen und gesunden Wildbestandes und die sportlichen Leistungen der Schützen stellen einen erheblichen immateriellen Gewinn für unsere Gesellschaft dar. Hinzu kommt die große soziale Bedeutung in Deutschland und das völkerverbindende Element.
Versuche, den privaten Legalwaffenbesitz noch restriktiver gesetzlich zu regeln entbehren jeden empirischen Beleges. Wissenschaftliche Ergebnisse – auch aus dem Ausland – bieten keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass weitere Einschränkungen bis hin zum Totalverbot privaten Legalwaffenbesitzes einen wie auch immer gearteten Sicherheitsgewinn bewirken. Es gibt eher Anzeichen für das Gegenteil. Ähnlich bewerten den privaten Waffenbesitz auch ernstzunehmende Gesprächspartner aus Justiz und Polizeibehörden.
Ich fürchte daher, dass Absichtserklärungen, den privaten Waffenbesitz in Deutschland weiter einschränken zu wollen, ideologisch motiviert sind – ja sogar populistische Züge tragen. Ich würde jedenfalls denken, dass es viele brachliegende Themenfelder und Aufgabenstellungen in der Inneren Sicherheit gibt, die weit notwendiger zu behandeln wären als der überregulierte Legalwaffenbesitz. Man sollte an Stelle eines echten Sicherheitsgewinns nicht vermeintlich populäre Scheinlösungen stellen."
 
„Vermeintlich populär“ – wie beurteilen Sie die gegenwärtige Situation auf der Seite des Organisationen, die privaten Legalwaffenbesitz verkörpern? Ist es nicht Zeit für eine Fusion aller Organisationen?
"Ganz allgemein gesagt, ist heute bei den Legalwaffenbesitzern eine wesentlich größere Aufmerksamkeit in Bezug auf das Waffenrecht und etwaige waffenrechtliche Änderungen festzustellen als sagen wir vor zwei Jahren. Und es ist auch eine wesentlich größere Bereitschaft festzustellen, sich vielfältig für die eigenen Bürgerrechte – auch in diesem Bereich – zu engagieren. Das ist sehr, sehr positiv zu bewerten.
Es gibt, was die Organisationen betrifft in Deutschland in der Tat eine gewisse Spezialisierung. Das ist ganz natürlich, da sich der legale Waffenbesitz in verschiedene Bereiche aufteilt, für die jeweils auch noch andere, zusätzliche Themen wichtig sind, etwa der sportliche Wettbewerb, die Schützentradition, die Jagdausübung und z.B. deren ökologische und politische Parameter, oder die kulturhistorischen Zusammenhänge, deren Kenntnisse notwendig sind, um Waffen zu sammeln. Hinzu kommen Organisationen, aber auch private Netzwerke, die sich sehr speziell darum bemühen, die Akzeptanz des privaten Waffenbesitzes zu erhöhen und natürlich Medien – kommerzielle Kaufmedien, Vereinsorgane und private Projekte.
Das ist auch gut so, denn dadurch werden verschiedene Themenfelder abgedeckt. Ich sehe in dieser Vielfalt insgesamt eher eine deutliche Stärke des privaten Legalwaffenbesitzes als eine Schwäche, weil wir in Deutschland dadurch über sehr viel mehr Kompetenz verfügen und sehr viel mehr Fragestellungen, darunter teilweise sehr spezifische, bearbeiten können, als wenn wir nur über eine Organisation verfügten, die sich zwangsläufig sehr viel stärker fokussieren müsste. Lassen Sie es mich so ausdrücken: Es nützt nicht viel, für den legalen Waffenbesitz insgesamt einzutreten, wenn die Jagd, der sportliche Wettbewerb oder das Sammeln verunmöglicht oder durch einzelne gesetzliche Regelungen übermäßig erschwert werden. Nehmen Sie das Beispiel der Gebühren bei Anmeldung und Kontrolle von Waffen für Sammlungen oder die Frage des Munitionserwerbs für Sammelwaffen – das sind keine „kleinen Themen“, sondern für Sammler essentielle Fragestellungen.
Diese Spezialisierung zeigt sich auch in der unterschiedlichen Artikulationsform der Organisationen: Sowohl die sachliche Mitwirkung an einem Gesetzgebungsverfahren und die Klärung waffenrechtlicher Fragen hat ihre Bedeutung wie auch die breite, auf viele Mitglieder verteilte Öffentlichkeitsarbeit oder Publikationstätigkeit. Es geht weder ohne das eine, noch ohne das andere.
Diese Spezialisierung bedeutet natürlich nicht, dass die verschiedenen Organisationen nicht miteinander reden müssten und im Bereich des Waffenrechts über einige gemeinsame zentrale Vorstellungen verfügen müssen."
 
Sie glauben also an die Zukunft des privaten Legalwaffenbesitzes in Deutschland trotz zunehmender Widrigkeiten?
"Auf jeden Fall. Den Beitrag, den Sammler, Jäger und Schützen für dieses Gemeinwesen leisten, ist anerkennenswert und nachhaltig. Extreme weitere Verschärfungen des Waffenrechts würden diese sozialen, kulturellen, sportlichen und auch ökologischen Leistungen zerstören. Machen wir uns nichts vor: Wenn die Reglementierungen erheblich weiter gehen, wird es nur noch wenige Menschen geben, die bereit und in der Lage sind, unter diesen Umständen diesen Beitrag für das Gemeinwesen zu leisten. Staatliche Museen befinden sich doch schon auf dem Rückzug bei der Erhaltung kulturhistorisch wertvoller Waffensammlungen. Der Breitensport befindet sich vielerorts in einer Agonie und leidet unter Überalterung. Wildschäden nehmen zu statt ab. Der soziale Zusammenhalt in der Gesellschaft sinkt, anstatt sich zu verbessern. Und in dieser Situation soll faktisch ein wichtiges Element, das nahezu drei Millionen Menschen und auch deren Familien betrifft, ohne jeden tatsächlichen Gewinn zerstört werden? Das hat ergibt doch wirklich keinen Sinn.
Aber man muss sich zunächst auch vergegenwärtigen, dass diese vielen Menschen und ihre Familien nicht nur das Wahlrecht haben, sondern auch den Rechtsweg beschreiten können – wie die Verbände natürlich auch. Schon vor diesem Hintergrund ist eine Vielfalt von Reaktionsmöglichkeiten gegen unangemessene Verschärfungen des Waffenrechts eine klare Stärke. Der VdW jedenfalls ist gut aufgestellt, um mit solchen Herausforderungen umgehen zu können."
 
Dr. jur. Hans Scholzen ist Rechtsanwalt und Vorsitzender des Verbandes für Waffentechnik und -geschichte (VdW)

2 Kommentare:

  1. Ich stimme mit Herrn Dr. Scholzen überein, dass die Vielfältigkeit der Organisationen eigentlich kein Hindernis, sondern ein Optimum darstellt.

    Leider empfinden jedoch die großen Verbände die kleinen Organisationen nicht als Mitstreiter, sondern als Konkurrenten.

    Anstatt punktuell zusammenzuarbeiten, versuchen einige ihr Alleinvertretungsrecht zu bewahren.

    Anstatt die Unterstützung der Spezialisten zu nutzen, das Engagement der Bürger zu stärken, das Fachwissen der eigenen Mitglieder zu nutzen, wird leider (noch!) von den Verbandsspitzen eine Waffenrechtspolitik wie vor 20 Jahren betrieben.

    Ich hoffe, dies wird sich ändern.

    Der VDW ist einer der Vorreiter im Veröffentlichen von Artikel außerhalb der eigenen Mitgliedschaft. Mir wurde z.B. im Februar der Artikel über die drei Säulen des Waffenrechts von Herrn Prof. Dr. Frank Thielemann im PWT (Fachmagazin für Polizei, Sicherheit und Verkehrstechnik) zugeleitet.

    Diese Art der Publikation von Waffenrechts-Wissen imponiert mir enorm. Ich würde es begrüßen, wenn auch FWR, JSM, VDB und DSB sich diesem Vorbild anschließen würden. Der DJV macht dies bereits seit Jahren in Bezug auf Naturschutz und hat dort auch schon einige Allianzen gebildet. Zu meinem Bedauern hat der DJV jedoch in seiner gesamten PR-Arbeit bisher sein Werkzeug (die Jagdwaffe) ausgeklammert. Doch die internen Untersuchen zu Nachtsichtgeräten und Schalldämpfern lassen die Vermutung entstehen, dass der DJV langsam mit der Zeit geht.

    Es ist schon kurios, dass der Verband, der die Waffenhistorie als Hauptzweck definiert, einer der modernsten ist. Das liegt vielleicht an der flacheren Verbandsstruktur, bedingt durch weniger Mitglieder.

    AntwortenLöschen
  2. Hallo, ich finde "Schuster bleib bei den Leisten" richtig. Im meine, ich muss mehr oder weniger im LJV sein, schon wegen der jagdpolitischen Monströsitäten, die Rot-Grün in NRW, BW etc. einfallen (gut, die sollten sich akzentuierter für Waffenbesitz positionieren). Ich muss heute auch in einer Lobbyorganisation sein wie ProLegal, die nur und ausschließlich eben das als Vereinszweck hat und ich habe auch noch Vorteile, wenn ich bei weiteren Organisationen bin wie z.B. dem VDW (z.B. die Waffenrechtsschutzversicherung, die Beratuzng am Telefon und das Know-how über die Sammelgebiete). Wer jetzt sagt, das kann man sich alles nicht leisten, der irrt grundsätzliczh. Erstens bekommt man eben nun Mal keine Versicherung (DWJ), keine Neuwagenrabatte (LJV) und keine Stimme in Berlin (alle drei Organisationen) umsonst. Und zweitens würde ich Mal dran denken, was man sonst alles für sein Hobby Jagd/Sammeln/Schießen ausgibt - einfach mal zusammenrechnen!

    AntwortenLöschen