DSU: Eintreten für Legalwaffenbesitz (k)ein Thema?

Zur Jahreswende 2010/2011 versendete die Deutsche Schießsport Union (DSU) einen Brief an ihre Mitglieder. Zwar wurde das Thema Legalwaffenbesitz angesprochen, auf die Möglichkeit, ihre Mitglieder zu ermutigen, offen Stellung zu beziehen eine eine klare eindeutige eigene Position nach Innen und Außen, verzichtet die DSU jedoch. Der Fall ist symptomatisch für einige Sportverbände. Schießsport alleine rechtfertigt unserer Meinung nach jedoch keine Verbandsmitgliedschaft mehr.
So heißt es: "Auch das Jahr 2010 wird wieder von einem schrecklichen Ereignis überschattet, von den Mordopfern in Lörrach. Wieder einmal sehen wir Sportschützen uns in der Pflicht, unseren Sport zu rechtfertigen. Wieder einmal sind Verschärfungen im Waffenrecht zu erwarten. Wieder werden uns in den Medien die Argumente gegen den Waffenbesitz vor Augen geführt. Wieder argumentieren wir dagegen, in der Sorge um den Fortbestand des Schießsports. ... Wir sollten trotz aller gebotenen Sachlichkeit aber auch das Menschliche an uns heranlassen. Hierzu gehört es, dass wir auch der Opfer von Lörrach gedanken. ... Für uns bedeutet dies, uns unseren Mitmenschen zuzuwenden. Zu erkennen, ob er Trost und Zuspruch braucht. " Dann geht es weiter mit verbandsinternen und sportlichen Höhepunkten des Jahres 2010 sowie Dankesworten.
Der Brief verärgerte aus mehreren Gründen:
Der erste Grund ist die wohlgemerkt eigene und freiwillige Verknüpfung von Schießsport und Verbrechen. Was hat der Schießsport mit dem Verbrechen von Lörrach zu tun? Ist der Fall Lörrach das Erste, das einem zum Thema Legalwaffenbesitz bzw. Schießsport und Öffentlichkeit 2010 einfallen sollte? Eignen sich der Fall Lörrach und das Bedauern darüber für das einzige offizielle Schreiben an die Mitglieder einer schießsportlichen Vereinigung im Jahr 2010? Wir finden, dass wir genau so viel oder so wenig wie irgend jemand sonst mit dem Fall in Lörrach zu tun haben. Wir können keinen Grund erkennen, dies leichtfertig zu einem zentralen Thema im Jahresrückblick zu machen - und damit eine engere Beziehung zu der Tat mit unterstellen zu helfen.
Der zweite Grund ist die bedauerliche Passivität, die aus der weiteren Beschreibung abgeleitet werden kann ("in der Pflicht, unseren Sport zu rechtfertigen", "Verschärfungen im Waffenrecht zu erwarten", "Argumente gegen den Waffenbesitz vor Augen geführt"). Wir meinen, es geht nicht nur um die Rechtfertigung des Schießsports. Es geht um die Rechtfertigung des privaten Legalwaffenbesitzes insgesamt. Wir sehen ein solches Engagement auch nicht bloß als "Pflicht" an, sondern verteidigen dieses Recht so entschieden und gerne wie wir jedes andere Recht gegen Willkür und Populismus verteidigen würden. Wir sehen keine einzige weitere Verschärfung des Waffenrechts als gegeben an, sondern bestehen im Gegenteil auf einer den Fakten entsprechenden Lockerung des Waffenrechts bzw. Abschaffung unnötiger und teils diskriminierender Elemente. Und schließlich meinen wir: Es gibt keine stichhaltigen Argumente gegen den privaten Waffenbesitz - gleich ob Sportler, Jäger oder Sammler betroffen sind. Dies hat z.B. der Verband für Waffentechnik und -geschichte 2009 gut herausgearbeitet.
Auch der weitere Außenauftritt der DSU sieht nicht nach nachhaltiger Unterstützung des legalen Waffenbesitzes oder gar gezielter Öffentlichkeitsarbeit in diese Richtung aus. So findet sich auf der Internetseite der DSU allerhand zu Jugendarbeit, Sportordnung etc. sowie einige alte Mitgliederzeitschriften zum Download (bis 2003). Es findet sich keine allgemeine Darstellung beispielsweise zu Fragen wie "Warum Schießsport" oder "Was bietet der Schießsport Jugendlichen und Erwachsenen" geschweige denn ggf. sogar Emotionen weckende Bilder von spannenden Wettkämpfen und der tollen Stimmung, die teilweise dort herrscht. Ob dies absichtlich weggelassen wird oder mangels professioneller Öffentlichkeitsarbeit, können wir nicht sagen. Unzweifelhaft empfinden wir dies aber als Mangel an Unterstützung des Legalwaffenbesitzes. Es genügt unserer Meinung nach heute nicht mehr, dem Forum Waffenrecht anzugehören oder die Mitglieder aufzufordern, der Fördervereinigung für legalen Waffenbesitz beizutreten, wie die DSU dies 2009 in einem Newsletter getan hat.  Wir finden, dass ein Verein mit rund 14.000 Mitgliedern sich nicht nur schießsportlich und in der Jugendarbeit engagieren soll, - wie es die DSU sicherlich vorbildlich tut -  sondern auch intern und extern für unsere Rechte mit einer klaren Position eintreten muss. Worte wie der Verband sie 2009 gefunden hat ("Nach dem schrecklichen Vorfall von Winnenden übertreffen sich unsere Politiker fast täglich mit neuen Ideen und Verbotsvorschlägen in Richtung legaler Waffenbesitz. ... Im Rahmen unserer bescheidenen Möglichkeiten haben wir versucht, die schlimmsten Einschränkungen wie das komplette Großkaliberverbot im Schießsport zu verhindern. ... Erschreckend ist hierbei die Erkenntnis, wie schnell unsere demokratisch gewählten Politiker bereit sind, elementare und vom Grundgesetz geschützte Bürgerrechte, wie zum Beispiel die Unverletzlicheit der Wohnung, auf dem Altar des Populismus zu opfern.") sollten so lange zu wesentlichen Standpunkten eines Verbandes zählen, wie der Schießsport und der legale Waffenbesitz zur Disposition stehen.
Allerdings sollten unserer Meinung nach interne Reibungspunkte, wie sie gelegentlich den Umgang der nunmehr drei ausschließlichen Waffenrechtsorganisationen untereinander kennzeichnen (wobei wir hier nicht erörtern wollen, wer wofür verantwortlich ist), genau so unterbleiben. Schade, dass das Forum Waffenrecht einen Text unter "Wichtige Mitteilungen" prominent veröffentlicht, unter dem man lesen muss: "... dürfte sicherlich kein Zweifel daran bestehen, dass das FWR als Interessenvertretung des legalen Waffenbesitzes in Berlin ... nicht nur akkreditiert sondern, und dies scheint mir viel wichtiger, mit einem großen Vertrauensbonus als kompetenter Gesprächs- und Diskussionspartner auch akzeptiert ist. Insofern sind mir die im Zusammenhang mit der Akkreditierung von Pro-legal und FvLW hier und da zu lesenden, unterschwelligen Unterstellungen völlig unverständlich. ... Wichtig ist also, dass man nicht nur irgendwo gelistet, sondern dass man zum richtigen Zeitpunkt präsent ist und sich einbringen kann, wo es erforderlich ist. ... Wer die Arbeit und Vorgehensweise des FWR kennt, weiß, dass wir auch in diesem Jahr nicht tatenlos herumsitzen und der Dinge harren, die da kommen könnten. ... allerdings verbietet es die Charakteristik unserer Arbeit nach dem alten Motto 'Tuet Gutes und redet darüber' zu leben."
Ehrlich gesagt, wir sind wie viele andere Legalwaffenbesitzer der unnötigen Abgrenzung und der Anpreisungen der eigenen Arbeit müde. Wie unterschiedlich auch immer die Bemühungen von Organisationen sind, wichtig ist doch, welches Ergebnis, sie damit für den legalen Waffenbesitz erzielen. Und wenn eine Organisation einen Erfolg erzielt, - und sei es auch nur eine Akreditierung - dann ist das für alle anderen auch erfreulich. Wie wir an anderer Stelle ausgeführt haben, begegnen uns Waffengegner auch überall und auf allen Ebenen. Warum sollten ihnen deshalb nicht ebenso begegnen.
Zu den guten Vorsätzen der Waffenrechts-, Schießsport-, jagdlichen und Waffensammlerorganisationen muss deshalb 2011 gehören: "WIr wollen uns entschieden, nachhaltig und vernehmbar für den legalen Waffenbesitz einsetzen" und "Wir wollen nicht gegeneinander arbeiten, sondern unsere Arbeit stetig weiter professionalisieren und uns an unseren Erfolgen messen lassen".

9 Kommentare:

  1. "Nestbeschmutzer" könnte man denken, wenn wir wie hier die DSU und das FWR oder wie 2010 gelegentlich Landesjagdverbände kritisieren. Natürlich diskutieren wir unter uns einen solchen Schritt mitunter kontrovers. Aber erstens bedeutet eine überzeugte Mitgliedschaft in den genannten Organisationen nicht "blinden Gehorsam" auszuüben und zweitens halten wir auch einen Diskurs unter Legalwaffenbesitzern über Verbandsaktivitäten für nicht schädlich. Im Gegenteil. Fest steht, dass wir alle genannten Organisationen und ihr Wirken schätzen (was an der ein oder anderen Stelle auch durchaus zum Ausdruck gekommen ist) und eine Mitgliedschaft nachdrücklich empfehlen. Leider stellt sich die Situation des Legalwaffenbesitzes (und in Teilen auch der Jagd unabhängig vom Waffenbesitz) aber so dar, dass Entschiedenheit in der Position, halbwegs professionelle PR und Unterlassen von Abgrenzungen unabdingbar ist.

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  2. Ich möchte für die DSU eine Lanze brechen. Dieser Verband arbeitet mit uns eng und vertrauensvoll zusammen und unterstützt uns auf vielerlei Weise. Bitte beachtet, dass es sich hier um einen kleineren Verband handelt, der eher weniger die Manpower besitzt diesen Erwartungen zu genügen.

    Steffen Schöps

    Vorstand Prolegal

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  3. Wir schätzen die DSU absolut (sonst wäre da ja keiner von uns Mitglied). Aber es ist wirklich nicht so ein Problem, ein, zwei angemessene Texte mit den eigenen Positionen online zu stellen (vor allem, wenn man genanntes Weihnachtsschreiben ja auch dort platziert). Dafür braucht man keinen PR-Profi. Ich verstehe auch die grundsätzliche Einstellung, dass man lieber reaktiv ist, weil das ungefährlicher ist, als sich "unaufgefordert" pro Legalwaffen zu exponieren, aber das geht heute einfach nicht mehr. Nur sportliche Erfolge, auch tolle, sind zu wenig. Leider. Was haben wir denn von der tollen Veranstaltung in München, wenn die selbe Stadt restriktivst gegen Legalwaffenbesitzer vorgeht (London läßt grüßen). Bei Backyard Safari war neulich ein Artikel über unpolitische Schützen. Das ist in gewisser Weise ähnlich. Natürlich ist das irgendwie Kulturgut und erfreuliche Geselligkeit (von beidem profitieren ja auch andere), aber das reicht im Jahr 2011 nicht mehr. Faktisch steht der Legalwaffenbesitz mit dem Rücken zur Wand.

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  4. Ich finde auch, dass inzwischen Sport und Kameradschaft nicht reichen. Wir sind mit dem Verein aus dem einen Dachverband raus und in einen anderen rein, der "gesellschaftsfähiger" ist. Leider sind eine Menge Disziplinen insbesondere im Bereich GK (und damit die entsprechenden Bedürfnisse) weggefallen. Dafür haben wir jetzt aber Bogenschießen und so Phantasieuniformen (das heißt ich nicht). Es hieß, man könne ja in die DSU gehen als Einzelmitglied, wenn man im Verein bleiben wolle und trotzdem das fortsetzen will, wofür man z.T. jahrelang trainiert hat. Und ich muß sagen, ich hätte mir, gerade nach dem Erlebnis zuvor, auch gewünscht, dass der LWB dort auf der Tagesordnung steht und nicht nur bei Spezialorganisationen wie Pro-Legal, VdW etc.

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  5. der VienenburgerJan 5, 2011 09:07 AM

    Es kann noch so vieles positives über den legalen Waffenbesitz berichtet werden,
    es nützt alles nichts.Ich habe gerade im Internet(www.ef-magazin.de)Ausgabe
    109 einen Bericht über den gar nicht so wilden
    Westen/wem nutzen die Verbote des privaten Waffenbesitzes ? gelesen.Hier wird sachlich über das Thema berichtet.Es können noch so viele Fakten,
    Statistiken,Zahlen und kompetente Fachleute sich
    zu dem Thema äußern,unsere Gegner (keine Waffen in Privathände)nehmen dass einfach nicht zur
    Kenntnis.Es gibt in Deutschland mehr legale Waffenbesitzer als alle politische Parteien Mit-
    glieder haben.Wir haben zwar Vereinigungen wie
    pro-legal,DSU,Forum Waffenrecht,FvLW u.s.w.Auch
    das jagdwaffennetzwerk zähle ich dazu.
    Die Jägerschaft und nicht zu vergessen die vielen Schützenvereine.Wird hier gemeinsam an
    einen Strang gezogen für die Interessen der Waffenbesitzer? NEIN !! Jeder kocht sein eigenes
    Süppchen.
    Es wird für uns alle ein böses Erwachen geben
    wenn die Waffengegner ihre Ziele erreicht haben
    und wir unsere Waffen,(laut Gesetz)abzugeben
    haben.Nur dann ist es zu spät.

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  6. Es ist nicht so, dass mir Bert Brecht Freude gemacht hätte, als ich ihn in der Schule lesen mußte und seitdem habe ich auch nichts mehr von ihm in die Hand genommen, aber das ein oder andere hat er ganz treffend gesagt, z.B. "Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren". Unsere Schweizer Freunde zeigen auch gerade, was sie können: www.protell.ch (gegen die laufende Initiative gegen Waffengewalt)

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  7. Man muß ein gesundes Maß finden zwischen Sport bzw. Jagd, Geselligkeit (wenn man denn mag) und Engagement für unsere Rechte. das sieht bei unterschiedlichen Organisationen wohl auch unterschiedlich aus.

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  8. Es ist einfach so, dass es nicht jedem gegeben ist, etwas zu schreiben oder gar, sich zu überlegen, wie man sich einem Thema strategisch nähert. Das ist übrigens ein entscheidender Beleg gegen die Existenz einer Waffenlobby. Würde es die geben - wie Waffengegner unbeirrt behaupten - gäbe es da Kommunikationstraining, Mustertexte, systematische Vernetzung und letztlich auch Geldmittel. All das haben wir aber nicht und so bleibt vieles "Eigenbau" bzw. von irgendwem, der Schreibkenntnisse hat, "mit Bordmitteln" abends zu Hause erstellt. Um so besser, dass es Blogs, Seiten von Vereinen, ein paar Fachmedien und wenige Foren gibt, wo man sich austauschen kann. Ich wünsch mir Mal einen Monat lang die positive Medienaufmerksamkeit und die Kohle dieses Aktionsbündnisses. Mensch, was könnte man daraus machen ...

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  9. Ich pflichte Eifeljäge in vollem Umfang bei:
    Ohne Kommuniktionsplattformen die nicht nur von Waffenbesitzern und Waffenbesitz - Befürwortern betreten werden haben wir Legalwaffenbesitzer wenig Chancen unser Anliegen an die Öffentlichkeit zu tragen - falsch ausgedrückt: haben wir Legalwaffenbesitzer keine Möglichkeit öffentliches Interesse an den gesetzlichen Missständen zu erwecken und so gesellschaftliche/ gesetzgeberische Handlungen einzuleiten.
    Meiner Meinung nach ist das derzeitige Waffengesetz ein Verstoss gegen das Grundgesetz!
    aber wer hört mir schon zu!

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