Obwohl wir Johannesburg selbst nicht durchfuhren, sondern direkt die dreistündige Reise ins Jagdgebiet antraten, blieb ich zunächst aufmerksam. Man hatte hier durchaus schon ankommende ausländische Jäger überfallen, um Geld und Waffen zu erbeuten, wie mein Gastgeber, der nichts weniger als furchtsam oder schwatzhaft war, erklärt hatte.
Die zunächst noch gut ausgebaute, breite Straße wurde nach rund zwei Stunden von einer staubigen Piste abgelöst, auf der wir noch eine weitere Stunde fuhren. Slums am Straßenrand und Gated Communities, von Mauern umgebene, geschützte Privatsiedlungen, gab es nur nahe Johannesburg. Vereinzelt sah ich weiße Straßenarbeiter und schlecht gekleidete weiße Zeitungsverkäufer. Und ich sah niedergebranntes Land weißer Farmer. Kilometerlang war nur verbranntes Gras an der Straße zu sehen. Natürlich verbrannten regelmäßig auch Tiere und in manchen Fällen Menschen - etwa, wenn die oft in großen teilen aus Holz und Stroh bestehenden Farmgebäude vom brennenden Busch umgeben waren. Es mag schon sein, dass die schwarzen Brandstifter sich an den Besitzverhältnissen störten, aber erstens gab es auch mehrere Farmen, an denen Schilder "Zu verkaufen" hingen und zweitens rechtfertigt vermeintliches soziales Unrecht wohl kaum Brandstiftung. Im wahrsten Sinne des Wortes war das übliche Schwarz-Weiß-Bild, das man in Deutschland vermittelt bekam, falsch.
Im Hintergrund der Tankstelle die Eisenberge
Erfreulicherweise wurde es immer menschenleerer. Wir waren in Thabazimbi angekommen. Der Name dieses Ortes bedeutet übersetzt Eisenberge und entstammt den dort nach wie vor abgebauten Eisenerzvorkommen.
Dann verließen wir auch diese Piste und bogen in einen Seitenweg ein, der nicht beschildert war und vorbei an Feldern, einer Farm und einer kleinen Arbeitersiedlung direkt zur Jagdlodge führte. Wir fuhren noch etwa zehn Minuten und das letzte Stück bestand aus einer harten, ausgefahrenen Rüttelpiste. Der Busch, der die Jagdlodge von Pieter und Hendrika umgab, war zu dieser Jahreszeit gräulich braun. Der Rest des Tages wurde mit den obligatorischen Probeschüssen auf der Schießbahn neben dem Haus und einem Braai, ein Grillfest, für eine am nächsten Tag abreisende Jägergruppe beendet. Das Elandfleisch war ausgezeichnet und es gab in Südafrika gebrautes Windhoek Lager Bier. Einige Buren gesellten sich dazu.
Am nächsten Morgen fuhren wir um kurz nach sieben Uhr rund 20 Minuten in eines der Konzessionsgebiete. Es gehörte Cornelis, Marinus Vater, einem harten, aber freundlichen Mittvierziger, der mich den ganzen Morgen auf der Pirsch führte.
Es war ein heißer Tag. Wir pirschten entlang des Limpopo River und wollten auf Nyala, wenn möglich sogar auf Bushbuck gehen. Endlich war es wieder so weit und ich konnte meiner liebsten Jagdart nachgehen: der Fußpirsch im Busch. Mit jedem der vielen Begleiter der nächsten Tage hielt ich heimlich einen Wettbewerb im leisen Pirschen ab. Meist unterlag ich. An diesem Morgen stand es unentschieden. Die Optik stand auf dreifacher Vergrößerung, die Handspannung auf „Safe“. Die Nerven waren erheblich angespannt.
Erschreckend schnell konnten wir einen großen Nyala-Bullen an einer Flussbiegung in ca. 200 m Entfernung ausmachen. Mein Führer musterte ihn ausgiebig im Glas und gab ihn mir frei. Der Weg zwischen uns war felsig, so dass eine weitere Annäherung gut möglich war und wir uns leise an ihn heranarbeiteten. Schließlich ging es nur noch schwer weiter, weil der Felsen zum Fluss hin relativ steil abfiel. Wir waren auf rund 130 m angekommen. Ich legte meine Waffe auf den Felsen, auf mein mehrfach gefaltetes Shemag, das in Afrika oft belächelte, mir aber sehr nützliche arabische Halstuch auf. Ich traf ihn aufs Blatt und er ging nieder. Aber dann stand er auf, drehte sich um die eigene Achse und ging in Richtung Busch ab, als ihn mein zweiter Schuss traf. „Shoot, shoot. Gun him down“, schrie mein sonst schweigsamer Jagdführer mehrfach. Natürlich war der Nyala nicht so schusshart wie andere Antilopen, aber es war afrikanisches Wild und der Busch entlang des Flusses war sehr dicht und das dahinter liegende Grasgebiet teils über zwei Meter hoch bewachsen. Eine Nachsuche konnte hier schwierig werden. Ich schoss und traf ihn in der Bewegung noch ein drittes und viertes Mal. Diese Schüsse waren jedoch unnötig gewesen, wie wir später sahen und ich schämte mich etwas, weil ich das Tier mit so einem Munitionsverbrauch „niedergekämpft“ hatte. Was scherte mich der Jagdführer? Ich war gerade zum Beginn dieser Jagdtage nicht ruhig genug gewesen. Schließlich lag er. Wir holten den Geländewagen und fuhren erst dann hin. Uns begleiteten ein schwarzer Skinner und ein junger weißer Berufsjäger. Der erste Treffer lag gut auf dem Blatt. Das Tier hatte kaum nach außen geschweißt. Als wir ihn geborgen, abtransportiert und versorgt hatten, konnte man gut den Ersttreffer in Herz und Lunge ausmachen. Es sprach für diesen harten Burschen, dass er damit noch abgehen konnte.
Der Nyala (Tragelaphus angasii) gehört zu den Antilopen und ist bis 115 cm
Schulterhöhe groß und bis 130 kg schwer. Er kommt in Südafrika natürlich
im Nordosten des Landes vor und ähnelt dem Kudu, obgleich er kleiner ist.
Er wird auf Afrikaans deshalb auch gelegentlich Baster Kudu genannt.
Dieser frühe Erfolg war nicht unbedingt mir zu verdanken. Zu dieser Tageszeit war die Bewegung in Richtung Wasser noch hoch. Als wir wieder rausfuhren, um die Fußpirsch auf Bushbuck aufzunehmen, sah man nichts mehr. Hin und wieder war ein Rascheln im Buschwerk zu vernehmen. Die Bamboos, laute und unangenehme Paviane, liefen schreiend umher und sprangen in den Fluss. Die Hitze nahm zu. Gegen 12 Uhr brachen wir die Pirsch ab, um im Schatten belegte Brote zu essen. Mich hielt es nicht lange dort, der Jagdführer meinte jedoch natürlich zu recht „The sun will kill us before two o’clock“. Der junge Jäger, der kurz vor einem Stellenantritt in Sambia stand, verstand aber wohl ganz gut, wie unruhig ich war. Er übernahm die Führung und wir pirschten noch näher am Flussufer. Er sagte, er hasse ebenso das Herumsitzen und wir müssten jetzt noch viel leiser sein, da so gut wie keine Bewegung mehr stattfand. Man könnte nur die Gehörnspitzen der Tiere ausmachen, die in den Mulden unmittelbar am Ufer lägen. So pirschten wir rund zwei Stunden entlang des Wassers flussauf- und flussabwärts. Ohne Erfolg.
Schließlich übernahm Cornelis mich wieder. Wir setzten die Fußpirsch jetzt Richtung Land fort. Zunächst ging es über den Felsboden, dann entlang staubiger Wege bergauf und bergab. Unterbrochen wurde die Pirsch durch einen etwa einstündigen Ansitz auf einer erhöhten Position. Ich sah wieder Bamboos in großen Zahlen und mehrere Nyala, vor allem weibliche. Aber kein Bushbuck. Dann ging es wieder auf Pirsch. Schließlich durch das dichte Gras. Ein Mal, ein einziges Mal sprang ein Bushbuck auf rund 60 m vor uns ab. Zu schnell, um ihn zu schießen. Dann ging es weiter. Langsam jedoch wurde es dunkel. Ich hatte vor Anstrengung und Anspannung nicht gemerkt, wie schnell die Zeit vergangen war. Wir hatten kurz vor sechs und jetzt wurde es minütlich dunkler. Ganz kurz, bevor wir wieder das Fahrzeug erreicht hatten, sprang noch mal ein Bushbuck vor uns ab. Er war nicht nur schnell, sondern er war auch dunkel vor dunklem Hintergrund. Ich trug zwar die gesamte Zeit das Gewehr in Vorhalte, bekam es aber nicht einmal auf das Zweibein (die langen Shooting Sticks aus Hartholz), bevor er verschwunden war.
Der erste Tag war schon herum und endete mit dem Reinigen der Waffe und einem guten Abendessen.
Impala
Ich wünschte mir unbedingt ein Impala. Am besten zwei. Dafür mussten wir jedoch am nächsten Tag eine längere Fahrt antreten. Pieter selbst führte mich. Dieser Mann war eine ganz andere Kategorie Jäger, als die anderen, die ich in diesen Tagen kennen lernte. Er war Ende 50, seit 20 Jahren Berufsjäger und selbstständiger Jagdherr, drahtig und relativ klein gewachsen. Er schien durch den Busch zu schweben und kannte in seinen Gebieten die Bewegung des Wildes auswendig. Die gute Strecke der nächsten zwei Tage waren mit einer Ausnahme ihm zu verdanken.
In rund zwei Stunden waren wir in der unmittelbaren Nähe der Grenze zu Botswana in einem weiteren Konzessionsgebiet auf staatlichem Parkgelände. Wir würden dort auch übernachten. Zunächst gaben wir unser Gepäck ab. Die Unterkunft war eine ehemalige Farm, die wirtschaftlich schwer durch die Kämpfe zwischen südafrikanischer Armee und ANC-Insurgenten, die sich über der Grenze der Verfolgung entzogen, in Mitleidenschaft gezogen worden. Dann war sie verkauft worden. Vermutlich war sie das letzte Mal wirklich gründlich gereinigt worden, als der Farmer noch dort war, vor rund zehn Jahren. Ich reparierte eines der Fenster, um Getier draußen zu halten, wenn ich abends Licht machen würde.
Dann ging es gleich mit dem Geländewagen in den Busch. Uns begleitete die ganze Zeit ein Park-Ranger, ein Schwarzer, der zwei Hüte übereinander trug und einigermaßen leise gehen konnte. Kein Vergleich jedoch zu den Jägern. Wieder war es früh genug, um noch viel Wild in Bewegung anzutreffen. An einer aussichtsreichen Stelle nahmen wir die Fußpirsch auf und machten nach reichlich einer Stunde einen kapitalen Impala Bullen aus. Ich schoss ihn auf 80 m mit Hilfe eines Dreibeins aufs Blatt. Er lag sofort.
Wir brachten ihn zur Farm zurück und brachen ihn dort auf. Herz und Lunge waren gut getroffen. Weil es keinen Kühlraum gab, hängten wir ihn in den Schatten einer Scheune an einen Strommast. Er war rund sieben Jahre alt.
Dann ging es wieder raus. Wir pirschten einige weitere Stunden zu Fuß, unterbrochen von einer herrlichen Mittagspause mitten im Busch, wo wir Brote aßen. Während Pieter schlief, stromerte ich etwas im Busch herum, fotografierte und betrachtete Höhlen von Warzenschweinen und Pflanzen. Dafür war sonst keine Zeit. Die Stille wurde vom Summen der Insekten und Singen und Schreien der Vögel durchbrochen. Sie konnten Geräusche wie Lachen oder Kinderschreien machen und diese mittags lustige Geräuschkulisse wurde gegen Abend etwas unheimlich. Die Zeit wurde mir nicht lang.
Das Impala (Aepyceros melampus) ist eine mittelgroße afrikanische
Antilope und kommt in Südafrika ebenfalls nur im Nordosten natürlich vor.
Wir brachten ihm zur Farm, nahmen ihn aus und hängten ihn neben den ersten. Ich wollte einen als Kopf-Schulter-Montage (Shoulder Mount) und von einem das Fell (Flat Skin) und das Gehörn (European Mount). Beide waren kapital. Der eine war aber ein starker Kämpfer, der von langen Narben gezeichnet war. Abends grillten wir am obligatorischen Feuer Rindfleisch und ein weißer Wildhüter gesellte sich zu uns. Wir diskutierten etwas die ewige Kaliberfrage und die hier vorkommenden Wildarten wie Gnu, Waterbuck und Eland. „Trust your gun, man,“ sagte er. „You must trust your gun“.
Verweise
- Literatur zur Jagdreise nach Süddafrika
- Auslandsjagd in Afrika: Nachhaltig für Wild und Bevölkerung
- Jagderlebnisse in Namibia/Südwestafrika
Super Bericht. Was wurde noch bejagt? Die Saison müßte doch jetzt schon bald zu Ende gehen oder? Mann, ich hätteb Lust gleich auch wieder runterzufaren.
AntwortenLöschenDie Strecke bestand aus: Nyala, 2 Impala, 2 Warzenkeilern und 1 Bushbock (es wurde also doch noch etwas...). Dieser Tage kommt der 2. Bericht. Sie bekommen noch Jagdgäste bis Mitte Oktober, aber der Regen setzte Ende der Woche schon häufiger ein.
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