Donnerstag
Wir fahren nach dem Beziehen der Unterkunft, einem einfachen Gasthof, ins Jagdgebiet, eine wilde Berglandschaft mit deutlich weniger Infrastruktur als etwa in Bayern, Österreich oder der Schweiz. Das Tal ist von einem reißenden kleinen Fluss durchzogen, an dem ich am letzten Tag neidisch einige Fliegenfischer sehe. Meine Angelausrüstung ist zu Hause geblieben. Jeder Flussübergang wird von einem kleinen Bunker beherrscht. Angeblich von der Deutschen Wehrmacht angelegt, sicherlich aber im Grenzgebiet zur Republik Österreich noch lange von der jugoslawischen Bundesarmee genutzt.
Wir fahren in den Berg hinauf. Ziemlich weit oben gebe ich auf einen Baum mit einer improvisierten Zielscheibe zwei Probeschüsse ab, die mitten im Ziel sitzen. Der Berufsjäger und Führer ist zufrieden und erklärt, dass wir jetzt sofort mit der Jagd beginnen müssen, da das Wetter schlecht werde. Ich bin noch in Reisekleidung und packe nur das Notwendigste in meinen kleinen Rucksack. Zwar habe zum Beispiel ich meinen leichten Bergschuh an, aber nicht mit den richtigen Bergsocken. Der Führer reicht mir einen Bergstock und beharrt darauf, dass ich ihn mitnehme, obwohl mir anfangs nicht klar ist, wofür man ihn benutzt. An der Gebirgs- und Winterkampfschule, die ich vor Jahren mehrfach besucht habe, benutzt man keine Bergstöcke. Eine andere alpine Ausbildung habe ich nicht.
Obwohl es Anfang August ist, ist es nur rund 15 Grad warm. Wir beginnen einen harten Gewaltmarsch, der uns über zweieinhalb Stunden durch sehr steiles Gelände bergauf führt. Wie auch in den nächsten Tagen ist schwer herauszufinden, wie lange eine Tour dauern wird und welches Gelände und welcher gedachte Jagdverlauf anstehen. Nach rund eineinhalb Stunden, gegen Ende der Wege, halten wir hinter einem Felsblock. Ein Gamsbock steht vor uns auf rund 230 Meter. Das erste Wild. Leider steht er halbspitz zu uns. Ich bringe mich in Schussposition, drücke aber nicht ab. Der Bock bewegt sich und ich möchte auf diese Entfernung nicht auf den Stich schießen. Da wir noch nicht lange unterwegs sind und der erste richtige Jagdtag noch nicht einmal angefangen hat, ahne ich nicht, dass dies die beste Sicht auf jagdbares Wild für die nächsten zwei Tage sein wird. Der Bock geht nach hinten weg und steht bald auf über 300 Metern. Wir sehen noch eine Geiss und ein Kitz auf ähnliche Entfernung.
Dann brechen wir wieder auf. Es geht eine weitere Stunde bergauf. Wir passieren die Baumgrenze und sind jetzt im Fels. Das Gelände wird immer schwieriger. Das Schlafdefizit macht sich jetzt bemerkbar. Wir passieren ein breites Geröllfeld mit ständig rutschendem Gestein und klettern schließlich auf einen großen Felsblock von dem aus wir Sicht in zwei Schneisen haben. Kein Wild. Nichts. Es ist kalt. Der Himmel zieht sich zu. Das erste Donnern ist in der Ferne zu hören und schneller als gedacht ist das Gewitter über uns. Wir brechen ab und machen uns auf den Rückweg. Nach wenigen Minuten bin ich bis auf die Haut nass. Zurück über das Geröllfeld rutschen wir mehr als wir gehen. Jetzt bewährt sich der Bergstock, der mir bis ans Kinn reicht und mit dem wir uns ähnlich dem Skifahren in steilem Gelände hangseits abstützen, um uns fast in den Hang hineinlegen zu können. Ich schaue mir bei meinem Begleiter ab, wie er damit umgeht. Das Gewitter ist jetzt genau über uns. Der Führer will weiter. Das Gewitter durchlaufen. Eine für mich ganz neue Taktik. Wir laufen weiter bergab. Jetzt geht es über ein sehr steiles Geländestück mit nassem Gras, das gefährlicher ist als eine Eisfläche, weil man sich mit nichts festhalten kann. Dann endlich der Wald. Es geht weiter über Stock und Stein. Aufgrund des Tempos, der Nässe und der Aufregung merke ich nicht mehr wie das Gewehr an der Schulter zieht und wie müde ich bin. Ich falle mehrfach über Wurzeln, denn es ist aufgrund der Witterung jetzt schon dunkel. Der strömende Regen behindert ebenfalls die Sicht. Aus irgendeinem Grund und obwohl wir angestrengt immer weiter hasten, verbessert der Regen aber wie schon früher beim Militär meine Stimmung. Ich werde jedenfalls nicht schlapp machen. Endlich erreichen wir eine Jagdhütte. Nicht weit steht der Geländewagen. Der Führer erklärt, gegen eine Erkältung müssten wir jetzt Schnaps trinken und wir trinken zwei Gläser irgendeines im Hals brennenden Obstschnapses. Dann müssen wir noch eine Dose relativ warmes Bier leeren. Wir haben immer noch die nassen Kleider am Leib und fahren dann endlich zurück zur Unterkunft. Ich dusche und wechsele die Kleider. Am Rücken und auf den Rippen habe ich zwei schöne Schmisse. Die nasse Wäsche wird zum Trocknen aufgehängt, die Waffe gereinigt und trocken gewischt. Das Zimmer nimmt rasch den bekannten Gestank aus nasser Kleidung, Schweiß und Waffenöl an.
Unangenehme Wegstrecke. Erste Wolken tauchen auf
Freitag
Bereits vor fünf Uhr morgens stehe ich wieder auf. Richtig ausgeruht bin ich nicht. Wir fahren tiefer in den Berg als am Vortag. Fahren kann der Mann exzellent. Die Wege sind von Steinschlag und Wasserrinnen an vielen Fällen zerstört.
Dann marschieren wir erneut zwei Stunden steil bergauf. Irgendwo sehe ich einen alten Grenzstein. Wahrscheinlich noch aus der Zeit der österreichischen Monarchie, denn nach 1918 verschob sich die Grenze trotz des erfolgreichen Abwehrkampfes der Kärntner nach Süden. Vor Jahren war ich in Klagenfurt bei einer Gedenkveranstaltung.
Das letzte Stück muss wieder geklettert werden. "Klettern ist es dann, wenn man die Hände zur Hilfe nehmen muß" fällt mir ein. Eine schöne Definition eines ehemaligen Ausbilders, der allerdings noch die Hände demonstrativ in den Taschen hatte, wenn ich schon lange kroch.
Endlich haben wir unseren Bestimmungsort erreicht. Wir können von dort in zwei Senken schießen. Wir liegen und sitzen auf dem Felsen. Es gibt keine Deckung. Ich ziehe die nach dem Aufstieg nass geschwitzten Sachen aus und die Jacke an. Endlich sehen wir Wild. Auf 280 Meter steht eine Geiss mit Kitz. Das Kitz ist offensichtlich ermüdet und die Geiss steht neben ihm. So verharren sie bewegungslos für die nächste halbe Stunde, bis sie seitlich ins Buschwerk verschwinden. Wir sehen noch einen Bock auf über 800 Metern. Das ist alles. Nach eineinhalb Stunden brechen wir ab. Ich ziehe die nassen Sachen wieder an und wir laufen zurück. Diesen Moment habe ich noch nie gemocht. Es ist so schön, trockene Wäsche anzuhaben.
Ich kann wenige Stunden schlafen. Um fünf Uhr nachmittags geht es wieder raus. Sinnflutartiger Regen hat inzwischen eingesetzt. Wir fahren eine ganze Weile mit dem Auto durch das Revier. Ab und zu steigen wir aus. Vor allem unweit von Stocksulzen. Wir sehen Rehwild, darunter zwei Böcke. Jedoch keine einzige Gams. Schließlich laufen wir eine halbe Stunde in den Wald hinein und sitzen dort eine ganze Stunde im Starkregen an einem Felsen an. Wie immer haben wir keine Deckung. Es regnet unaufhörlich. Nach einer Stunde ohne Wildsicht brechen wir ab und laufen zurück.
Schwieriges Schussfeld. Schwierige Bergung
Samstag
Morgens geht es wieder um fünf Uhr raus. Wir marschieren wieder in den Berg hinein. Es ist jetzt unter 12 Grad. Wie immer scheint die langsam aufgehende, schwache Sonne nur am gegenüberliegenden Hang. Es regnet. Wir sitzen wieder hinter einem Felsen an. Ich bin nass geschwitzt und friere und ziehe die nassen Sachen aus. Schnell bin ich wieder nass. Diesmal vom Regen. Die Zeiss-Optik lässt sich dennoch einwandfrei benutzen. Diue Regentropfen perlen einfach ab. Während der nächsten fast zwei Stunden, die wir hier ansitzen, fallen wir beide vor Entkräftung in Minutenschlaf. Ich friere die ganze Zeit. Dann geben wir auf und gehen zurück.
Auf der Rückfahrt sehen wir einen Gamsbock. Er steht einige hundert Meter auf einem gegenüberliegenden Hang. Zu weit. Viel tiefer als wir. Egal. Jetzt aber schnell ran. Raus aus dem Auto. Gewehr übergeworfen, denn es wird jetzt sehr steil. Der Bergstock leistet wieder gute Dienste. Halb über das nasse Laub rutschend, halb laufend hasten wir bergab. Steil unter uns ist ein Vorsprung, der nahe genug am Wild ist und eine gute Schussposition bietet. Das letzte Stück geht wieder über gefährlich nasses Gras. Kein Baum würde hier ein Fallen aufhalten. Aber endlich sind wir da und werfen uns in das nasse Gras des Vorsprungs. Geradeaus die Gams. Aber sie geht zurück. Ein Baum steht jetzt im Weg. Unmittelbar vor mir. Auch am gegenüberliegenden Hang behindern mich Äste. Es ist kein sicherer Schuss möglich. Ich werfe mich auf eine andere Stelle mit besserer Sicht. Der Gamsbock ist jetzt in einem Gehölz und nur selten teilweise zu sehen. Dann ist er ganz verschwunden. Das war’s. Wir brechen ab und laufen den steilen Berg wieder rauf. Nach einer Stunde sind wir oben. An vielen Stellen muss ich sehr langsam gehen, um nicht abzustürzen. Berg runter ging es nicht nur leichter und schneller, sondern auch eilig vom Jagdfieber getrieben. Obwohl auch dieser Ausflug umsonst war, hat er mir in diesen Tagen am meisten Spaß gemacht. Wir hatten endlich Wildsicht und eine realistische Chance, das Wild zu bekommen. Ein schönes Jagderlebnis. Mir tun jetzt alle Knochen weh.
Nachmittags geht es wieder raus. Der Hund des Führers ist dabei. Eine Dachsbracke. Angeblich bringt das Glück. Für mich riecht das eher jetzt schon nach Nachsuche. Aber ich bin nicht abergläubisch. Wir fahren diesmal eine lange Strecke mit dem Auto. Wieder einmal ist nicht herauszubekommen, mit welchem Ziel. Der Hund ist ungewöhnlich still. Dann marschieren wir ermüdende eineinhalb Stunden in leichtem Regen immer bergauf. Jetzt nach zwei Tagen im Berg zeige ich trotz meiner Vorbereitungen erkennbare Schwächezeichen. Eigentlich wundert mich selbst, wie gut ich die Anstrengungen der Vortage trotz ständigen Schlafmangels und der kräftezehrenden Nässe und Kälte weggesteckt habe. Dann endlich haben wir wieder Wildsicht. Auf 220 Metern wechselt ein Bock parallel zu uns auf einem gegenüberliegenden sehr steilen Hang. Ich nehme das Gewehr von der Schulter. Das ist vielleicht die letzte Chance. Der Führer wird ungeduldig. Ich versuche, mich nicht stören zu lassen. Ich verliere die Wildsicht. Er gestikuliert wild und zeigt auf das Wild. Vergrößerung runter auf 3,5. Da ist er wieder. Ich vergrößere wieder auf 12-fach. Der Lauf liegt weich auf dem Rücksack auf. Aber mir zittern die Hände. Vor Entkräftung, nicht vor Aufregung. Ich nehme mich zusammen. Der Bock springt ab. Der Führer schießt hinterher und fehlt. Ich schieße ebenfalls nach und fehle auch. Der Bock ist in einem Buschwerk verschwunden. Ist er angeschweißt oder nicht? Ich glaube nicht. Ich glaube, dass ich ihn unterschossen habe. Der Führer meint, er habe einen Kugelschlag gehört. Das würde dafür sprechen. Wir werden nachsuchen. Erst warten wir bangend eine halbe Stunde. Man sieht und hört kein Wild mehr. Unmittelbar vor uns liegt ein breites Geröllfeld mit ständig nachrutschendem Gestein. Man sieht schon jetzt, dass wir nicht an die Stelle kommen können, wo der Bock stand, als ich schoss. Auch der Hund nicht. Dies wäre selbst mit Kletterausrüstung und am hellen Tag schwierig. Aber wir haben nur unsere Bergstöcke und es wird jetzt langsam dunkel. Dann machen wir uns auf den Weg. Nach etwa einer halben Stunde sehr vorsichtigen Gehens sind wir drüben. Wir stehen etwa fünf Meter unterhalb des vermeintlichen Anschusses. Es ist nichts zu sehen. Langsam gehen wir dem Bock nach. Der Weg ist nicht ungefährlich und ich fange an zu überlegen, was wir bei Dunkelheit machen werden. Im Weg liegt ein Gamsskelett. Ich nehme eine Kruke mit. Die andere ist nicht zu finden. Es ist ein sehr alter Bock gewesen. Wir suchen weiter. Der Hund arbeitet aufgeregt. Ich merke, dass der Führer wenig Lust zur Nachsuche hat. Er beteuert, man werde eine angeschweißte Gams ohnehin nicht finden und erläutert mir das Verhalten des Hundes so, dass er anzeige, dass die Gams nun weit entfernt sei. Er mag recht haben. Ich schlage deshalb vor, am nächsten Tag weiter zu suchen, wenn wir nichts finden. Das will er nicht. Endlich finden wir zwei kleine Tropfen Schweiß. Es ist das einzige, was wir auf der uns zugänglichen Strecke finden. Das letzte Stück klettert der Führer mit dem Hund in ein Buschwerk hinein. Nichts. Ich denke immer noch, dass ich die Gams unterschossen habe. Der Schweiß kann durchaus von einer Verletzung durch Geschosssplitter herrühren. Dem Führer scheint das egal zu sein. Als wir nichts mehr sehen können, brechen wir ab. Im Dunkeln gehen wir uns vorsichtig vortastend zurück. Ich bin sehr enttäuscht. Einen schlechten Schuss kann man nicht wegdiskutieren. Schon gar nicht mit sich selbst.
"Der Glücksbringer"
Sonntag
Der letzte Jagdtag bricht wieder vor fünf Uhr an. Das Frühstück fällt aus, weil der Gasthof die belegten Brote vergessen hat. Aber die Stimmung ist ohnehin schlecht. Der Wirt des Gasthofes, nach Anzahl seiner Trophäen ein äußerst passionierter Jäger, versteht nicht, wie man trotz des Wetters so wenig Wildsicht haben kann. Er versteht auch nicht, warum das Wild nur in solcher Entfernung auftaucht. Er sagt in perfektem Deutsch, ich müsse noch einmal wiederkommen, wenn es wieder nichts werde. Das dürfe nicht meine Erinnerung an Slowenien sein.
Zum Abschied marschieren wir noch einmal eineinhalb Stunden nass geschwitzt und frierend bergauf. Unsere Bergseite ist natürlich wieder schattig und kalt. Das letzte Stück ist rutschig wegen nassen Laubes und Grases. Endlich kommen wir zur Ansitzstelle. Wie wir von dort allerdings ein erlegtes Wild bergen könnten, kann ich mir nicht vorstellen. Zu tief eingeschnitten ist das Gelände. Die Geräusche sind viel versprechend. Ganz deutlich hört man Gamswild. Ich richte mich für einen sorgfältigen Schuss ein, aber die Geräusche sollen der einzige Abschiedsgruß des Gamswildes an mich sein. Wir sehen kein einziges Tier. Nach einer Dreiviertelstunde brechen wir ab. Der Rückmarsch verläuft langsamer und wir brauchen jetzt zwei Stunden. Der Führer geht wie immer sein Tempo vorneweg. Sei es drum. Der Weg ist nicht zu verfehlen und ich lasse mir deshalb Zeit. Nachmittags gehen wir nicht mehr raus. Ich will keine hastige letzte Jagdstunde. Und ich will Waffen und Ausrüstung ordentlich reinigen und verpacken, weil dafür am nächsten Morgen keine Zeit mehr sein wird. Gegen sieben Uhr abends, also zu einer Zeit, in der wir sicherlich noch im Berg gewesen wären, bricht das bisher stärkste Unwetter aus. Die Hagelkörner haben Schrotgröße und es regnet so stark, dass es schließlich in mein Zimmer hineinregnet. Ich bin ehrlich gesagt froh, nicht da draußen zu sein.
"End of Exercise"
Resümee
Warum veröffentlicht man ein solches Erlebnis? Ich habe das mit Freunden intensiv besprochen. Erstens entwickelte sich diese Jagdreise anders, als sich Beschreibungen in Jagdreisekatalogen lesen. Und auch anders als es Artikel in Fachzeitschriften beschreiben. Von jagdlichem Misserfolg liest man meistens zwischen den Zeilen („Diesmal sollte die Bärenjagd in British Columbia gelingen“, habe ich neulich gelesen). Zweifelsohne gehört zu einer ehrlichen Jagd aber auch die Möglichkeit des Misserfolges. Und zweitens kann man auch aus diesen Erlebnissen einige Lehren ziehen.
Bei insgesamt 6 Jagdtouren und rund 15 Ansitzorten hatten wir erstaunlich wenig Wildsicht. Dies scheint ungewöhnlich zu sein. Diese Jagdreise hatte weitere Mängel: Der Berufsjäger und Führer war kaum dazu zu bewegen, genauere Angaben über die jeweils geplante Route und Jagdtaktik zu machen. Ich bin nicht sicher, ob er sich überhaupt eine zurecht gelegt hatte. Obwohl er eine Reihe von Jahren in dem Gebiet tätig zu sein schien, erschienen mir die Bemühungen, Wild zu sichten meist wie eine vergleichsweise hastige Suche. Wenn wir ansaßen, saßen wir für deutsche Verhältnisse mit viel zu wenig Geduld an. Wenn wir pirschten, vermischten wir meiner Meinung nach einen Bergmarsch mit vollem Gepäck mit einer leichten und leisen Pirsch. Der Führer ging nicht leiser durch des Gelände als ich, streckenweise, zum Beispiel an Geröllhalden, die er gerne herunterrutschte, eher lauter.
Ich konnte mich auch dahingehend nicht verständlich machen, dass es sinnvoll ist, vor Beziehen einer Ansitzposition kurz zu halten, um sich vorzubereiten (z.B. Wäschewechsel nach anstrengendem Aufstieg, um nicht auszukühlen) und damit Lärm zu vermeiden.
An sprachlichen Mängeln scheiterte die Verständigung jedenfalls nicht. Aber natürlich geht der Fehlschuss ganz alleine auf mein Konto. Er wurmt mich noch immer. Das Gewehr war jedenfalls in Ordnung – schon dafür ist der Probeschuss sinnvoll. Das rasante Kaliber war der Entfernung und der Bergsituation angemessen.
Im Ergebnis hatte ich vier Tage anstrenge Bergwanderung mit geringer Wildsicht erlebt. Ein Mal, als wir der Gams den Hang hinunter nachstellten, einmal hat es wirklich Freude gemacht. Die Bestätigung, körperlich nach wie vor einigermaßen in Form zu sein, empfand ich ebenfalls als positiv, denn Witterung und Gelände stellten eine echte Herausforderung dar.
Natürlich war es äußerst unbefriedigend, ohne Gams nach Hause zu kommen. Andererseits stimme ich einem anderen Berufsjäger zu, der mich geführt hat und in solchen Situationen sagte „Das ist eben Jagd“, obschon er sonst kaum Deutsch sprach. Man kann es nicht besser sagen.
Das ist schön beschrieben, obwohl die Jagd nicht erfolgreich endet. Schade. Ich finde es jedenfalls interessanter, auch soilche Erlebnisse mitzuverfolgen, als die sonnigen Katalogberichte für jagdreisen. Zwar wissen alle, dass die Realität oft anders aussieht, aber kaum einer teilt seine Erlebnisse, wenn sie nicht wie gewünscht enden. Eines ist im Berg aber immer sicher: das Bergerlebnis. Deshalb bin ich gerne Bergjäger.
AntwortenLöschenIch gehe richtig in der Annahme, dass es kein Winkelschuss war? Rasantes Kaliber bedeutet: 7 mm Rem Mag oder 300 Win Mag? Nutztet Ihr einen Entfernungsmesser?
AntwortenLöschenDer Winkel betrug maximal 10 Grad. Eher weniger. Das Kaliber war 300 Win Mag. Kein Entfernungsmesser. Einem Artikel in "Passion" folgend, der auf den Versuchen von Blaser für deren DVD zum Schießen im Gebirge aufbaut, dürfte bei diesem Kaliber unter diesen Bedingungen keine nennenswerte Abweichung auftreten. Ich denke, die Entfernung stimmte nicht genau. Die Gams stand im Fels, so dass auch die Interpretation vom Geschosssplitter plausibel ist (insbesondere angesichts des Kugelschlags). Schlecht, dass man nicht nach Geschossresten suchen konnte, aber das kommt im Gebirge schon Mal vor. Ich denke auch das Verhalten des Führers - trotz offensichtlicher Unlust zur Nachsuche und auch angesichts der Uhrzeit - spricht dafür, dass auch er den Schuß nicht als Treffer ansah.
AntwortenLöschenGlaube ich auch eher. Ist mir jedenfalls auch schon passiert. Nur habe ich keinen Bericht dazu verfaßt ;-). Muss ganz schön schwer gewesen sein, die Waffe da rauf zu schleppen... Der Lauf dürfte alleine schon einiges gewogen haben. Das alleine spricht - trotz einiger Nachteile - für mich schon für ein kleineres Kaliber. Die Gams in Slowenien dürfte der in Österreich ähnlich sein und nicht solche Ausmaße annehmen wie in Rumänien. Das ist ja auch noch Kärnten da.
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