Auslandsjagd in Afrika: Nachhaltig für Wild und Bevölkerung (Teil 1)

Nicht nur aufgrund von medialer Skandalberichterstattung und Aktionen von „Tierschutzorganisationen“ gegen Canned Hunting (die Kleingatterjagd auf extra für diesen Zweck erworbenes bzw. gezüchtetes und ausgesetztes Wild) in Südafrika im WM-Jahr 2010, wird die Auslandsjagd in Afrika mitunter kritisch gesehen. Anders als einige Medienberichte oder Organisationen glauben machen wollen, ist die Trophäenjagd auf afrikanisches Wild jedoch nachhaltig und leistet einen signifikanten Beitrag zum Schutz des Wildes sowie zur Verbesserung der Lebenssituation der lokalen Bevölkerung. Problematisch ist diese Jagd nur, wenn sie illegal oder nicht waidgerecht ausgeübt wird (wie z.B. das Canned Hunting).
Der aus der Historie deutscher Jagd entwickelte Begriff der Waidgerechtigkeit beschreibt nach Kurt Lindner „eine durch ethisches Pflichtgebot bestimmte Verhaltensweise des Jägers gegenüber einem als Wild bezeichneten Tier, gegenüber den jagdverbundenen Mitmenschen und gegenüber der Umwelt“. Dieser Begriff hat Eingang ins deutsche Gesetz gefunden und ist aufgrund der Besonderheit der jagdlichen Aus- und Weiterbildungseinrichtungen allgemein anerkannt. Illegalität und mangelnde Waidgerechtigkeit sind bei deutschen Jagdreiseveranstaltern und deutschen Jägern in aller Regel nicht der Fall. Stattdessen leisten Jagdreisen nach Afrika einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung dieses Kontinents, der den von Fototouristen übertrifft.

Der International Council for Game and Wildlife Conservation (CIC) fasst in seinem Positionspapier zum nachhaltigen Jagdtourismus treffend die Fehlwahrnehmung der Trophäenjagd zusammen:

“Hunting is often referred to as the ‘consumptive’ use of wildlife in contrast to the ‘non-consumptive’ forms of use (e.g. photo- or nature tourism). Every type of tourism consumes natural assets. Natural resources can suffer heavy damage through mass tourism, even through eco-tourism. In contrast thereto, hunting as a ‘soft’ form of nature tourism, does not require an elaborate infrastructure, nor does it require permanent structures. Relatively high revenues can be generated by few clients. The well-regulated take-off of 1 to 2% of prime or post-prime males does not damage the respective game populations. If funds generated through sustainable hunting tourism are directed towards conservation and if local populations share the economic benefits, this form of the use of natural resources can play a direct role in reducing rural poverty and contributes to conservation efforts.”

Diese Aussagen werden durch eine Vielzahl internationaler wissenschaftlicher Studien belegt. Sehr deutliche Aussagen finden sich z.B. in Arbeiten über Botswana, Namibia, Sambia, Südafrika und Tansania:


  • Die Botswana Wildlife Management Association stellt z.B. fest: “The safari hunting industry contributes positively to the development criteria contained in Botswana’s National Development Plan (NDP) 8, especially with respect to three important national policies: Promoting rural development, employment opportunities and economic opportunities in remote rural areas. Promoting economic diversification and reducing national dependence on exploitative industries (i.e. mining). … The contribution of turnover to the local economy is 49.5%, the national economy 24.8% and other parties is 24.8%. The per capita contribution of hunting in the districts where the hunting is conducted is worth more that 10 times the per capita contribution of the industry to Botswana as a whole, making sport hunting a vital component in the rural economies of 6 remote areas. The direct contribution to communities in rural areas is over 15% of turnover. … Safari hunting is a legitimate and economically efficient land use and, under some circumstances, can match or surpass other forms of rural economic activity - including photographic tourism and livestock production.”
  • Die Autoren Humavindu und Barnes beschreiben die Situation für Namibia wie folgt: „The conclusion can be made that the trophy hunting industry in Namibia is significant economically. … Trophy hunting makes up an estimated 14% of the whole tourism industry in Namibia, which itself makes up 2.3% of the whole Namibian economy. Furthermore, it is estimated to contribute 18% of the economic value of the wildlife based component of the tourism industry. Some 24% of the income earned in the sector accrues to poor segments of society, through wages and rentals or royalties. The sector also contributes significantly to the treasury through taxes, amounting to an estimated 21% of income earned. Trophy hunting occupies an important role as a generator of income and contributor to development, and it provides financial incentives for investments in wildlife.”
  • Für Sambia berichten die Autoren Lewis und Alpert: “International trophy hunting is currently generating significant economic benefits for residents of game management areas in Zambia. This has been made possible trough a revolving fund and an administrative program that direct revenues from trophy hunting to local wildlife management and community development projects.”
  • Die südafrikanischen Verhältnisse behandeln van der Merwe und Saayman: „The purpose of this paper was to determine the economic value of game farm tourism. Even though this was the purpose, one cannot but mention also the conservation value of game farm tourism. … This paper also showed that even though there are gaps in the statistics of some of the aspects (pillars) of game farm tourism, the latter nevertheless has a significant economic value, as can be seen from the 2000 statistics: Hunting (trophy and biltong) R568 m, Game sales R180 m, Game products R20 m, Ecotourism R106 m, Total R874 m, Over and above the fact that game farm, tourism in South Africa generated approximately, R874 m, the 7 000 game farms also employ approximately 63 000 people.”
  • Schüle fasst für Tansania zusammen: „Die Umfeldanalyse des Untersuchungsgebietes hat ergeben, dass die stark anwachsende Bevölkerung und falsche Landnutzungsstrategien wertvolle Ökosysteme bedrohen und eine ernsthafte Gefährdung der Artenvielfalt darstellen. … Die im Rahmen der Arbeit durchgeführten interdisziplinären Betrachtungen der ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Auswirkungen der unterschiedlichen Wildtiernutzungsstrategien haben gezeigt, dass sie neben den Chancen zur Sicherung der Wildtierbestände Möglichkeiten zur Senkung der ländlichen Massenarmut sowie zu einer sanften regionalen Entwicklung von unabhängigen Wirtschaftsformationen bieten. Eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wildtiere kann somit eine angepasste Landnutzungsstrategie in den antropogen geprägten Naturräumen des Untersuchungsgebietes darstellen, ohne dadurch die Lebensräume zu zerstören und die Kulturen in ihrem Fortbestand oder in ihrer Sukzession in nicht zu rechtfertigendem Ausmaß zu beeinträchtigen. Insbesondere eine naturnahe Bewirtschaftung von Lebensräumen durch Jagdtourismus verspricht an marginalen Standorten vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten und ist somit als Ansatz der ländlichen Entwicklung im Rahmen eines utilaristischen Schutzkonzepts zu begrüßen.“
  • Lindsey et al stellen für Afrika allgemein fest: „The preferences of hunting clients highlight the potential for trophy hunting to create incentives for wildlife conservation and community development in Africa, in multiple countries, including those where ecotourism may not be viable, and in areas within well-visited countries that are off the tourist circuit.”
  • Schließlich fasst das deutsche Bundesamt für Naturschutz in einem Positionspapier zusammen: „In vielen Ländern ist Trophäenjagd eine sehr lukrative Art der Wildtiernutzung (wenige Touristen, hohe Einnahmen) und Wildtiermanagement zugleich. Im Vergleich zum Foto-(Massen-)Tourismus wird der Aufwand für die Infrastruktur wie Hotels und Straßen als geringer angesehen. Projekte, bei denen der örtlichen Bevölkerung die Verantwortung über die nachhaltige Nutzung ‚ihrer’ Wildtiere übertragen wird (z.B. CAMPFIRE, Torghar Conservation Project), bewirken oft die (Wieder-)Inwertsetzung von Wildtieren, welche vorher nur Nahrungskonkurrenten oder eine direkte Bedrohung für das eigene Leben darstellten.“
Stakeholder der Afrikajagd
Im Beziehungsgeflecht von Auslandsjagdreisen gibt es große Zahl von Nutznießern des Auslandsjägers in Afrika. Wesentliche Teile der Wertschöpfungskette befinden sich im Reiseland selbst:
  • die lokale Bevölkerung, die unmittelbar im Jagdgebiet als Berufsjäger, Spurenleser, Fahrer, Zerwirker/Häuter, Hotel- und Gaststättenpersonal oder Personal von Präparatoren und logistischen Dienstleistern Arbeit findet und ein Einkommen generiert (sowie teilweise Anteil am Wildbret erhält)
  • weitere mittelbar involvierte Bevölkerungsteile im Land, die in Ausbildungseinrichtungen oder Behörden die erste Gruppe unterstützen oder die Transferleistungen erhalten, die auch über von Jägern und Jagdveranstaltern geleistete Steuern und Abgaben generiert werden
  • die privaten bzw. staatlichen Landbesitzer (inklusive der Parks und anderer geschützter Lebensräume) sowie das Wild auf diesem Land, das mit den durch die Trophäenjagd insbesondere generierten Geldern gegen Wilderei geschützt werden kann
  • die in der Regel lokalen Jagdveranstalter (wenn nicht mit den Landbesitzern identisch) und in der Regel ausländischen Jagdreisevermittler sowie weitere Unternehmen im Reiseland oder Herkunftsland des Jägers (z.B. afrikanische Fluglinien und andere Transportunternehmen oder Hotels außerhalb des Jagdgebiets)
Festgehalten müssen für die lokale Bevölkerung und ihr Selbstverständnis weiterhin zwei erhebliche qualitative Unterschiede: 1) zwischen der Generierung von Einkommen und der Annahme von Spenden, 2) zwischen qualifizierten Tätigkeiten, die lokal und auch unter den schwierigen lokalen Umständen (z.B. Analphabetismus, Entfernung zu Aus- und Weiterbildungseinrichtungen) ausgeübt werden können (Berufsjäger, Spurenleser, Präparator, Wildhüter) und teilweise an traditionelle Tätigkeiten und Kenntnisse anknüpfen, und Tätigkeiten als ungelernte Tagelöhner oder Wanderarbeiter in Industrie oder Bergbau.

Im Unterschied zur Fleischjagd der lokalen Bevölkerung oder zum Fototourismus generiert die Trophäenjagd einen wesentlich höheren Ertrag und verursacht eine wesentlich geringere Belastung der Lebensräume des Wildes. Statt zu schädigen trägt Trophäenjagd durch ihre Erträge wesentlich dazu bei, Wild zu schützen.
So konstatieren Lewis und Alpert:

“In present practice wildlife conservation and wildlife use are inseparable. A major reason is that conservation has a cost.” Sie bewerten hingegen die vermeintlichen Alternativen Fototourismus und lokale Fleischjagd deutlich kritischer: “Wildlife viewing tourists pay more for wildlife use than resident hunters, but less than trophy hunters.“


In der Dissertation von Schüle ist ein aufschlussreicher Erlösvergleich zwischen Jagdtourismus und Fototourismus in Tansania veröffentlicht (Datenbasis 1992). Dieser stellt die Parameter einer Anzahl von 600 Jagdtouristen 500.000 Fototouristen gegenüber. Die gesamte Verweildauer der Jagdtouristen belief sich auf 10.141 Tage gegenüber 2.000.000 Tagen der Fototouristen. Die Gesamterlöse dieser Jagdtouristen waren 14 Mio. US Dollar gegenüber 106 Mio. US Dollar der Fototouristen. Davon gehörten 8.833 US Dollar pro Jagdtourist zu den zentralstaatlichen Erlösen, aber nur 14,60 US Dollar pro Fototourist. Die sonstigen Erlöse durch Jagdtouristen beliefen sich pro Tourist auf 14.500 US Dollar gegenüber 197 pro Fototourist. Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.

Außerdem kann die Trophäenjagd in politisch und wirtschaftlich instabileren Gebieten ausgeübt werden und in Gebieten, die weiter von den großen Touristenzielen entfernt sind, weniger andere Attraktionen besitzen und weniger Komfort bieten können:


  • Die Botswana Wildlife Management Association stellt z.B. fest: “In some situations, safari hunting is the only form of sustainable land use that will provide significant benefits to remote communities, and should therefore be promoted by the industry and encouraged by policy-makers. … With sufficient monitoring and control of the wildlife resource, the safari hunting industry is sustainable over the long term. … Safari hunting is less sensitive than photographic tourism to external factors such as regional instability, and the links between the industry and key stakeholders should therefore be more robust.”
  • Dies unterstützen Lindsey et al in zwei Arbeiten aus gesamtafrikanischer Perspektive: “Clients are most interested in hunting in well-known East and Southern African hunting destinations, but some trophy species attract hunters to remote and unstable countries that might not otherwise derive revenues from hunting. Clients are willing to hunt in areas lacking high densities of wildlife or attractive scenery, and where people and livestock occur, stressing the potential for trophy hunting to generate revenues where ecotourism may not be viable. … Most clients are willing to hunt in Zimbabwe at present, supporting the suggestion that trophy hunting is relatively resilient to political instability. In the first year of the Zimbabwean land seizures, the tourism industry shrank by 75%, compared with a drop of 12% in hunting revenues. Likewise, trophy hunting continues in parts of Central Africa (e.g. in CAR) that are probably too insecure and remote for successful ecotourism.”
  • In einer anderen Publikation dieser Autorengruppe heißt es: “Trophy hunting generates more income per client than tourism (Baker 1997) and has potentially lower environmental impact through disturbance, fossil fuel use, and habitat conversion. Hunting operations do not rely on the costly infrastructure required for ecotourism and can generate revenues where ecotourism may not be viable, such as remote areas (e.g., northern Mozambique), degraded areas with low wildlife densities (e.g., ranches during early stages of game ranching), areas where people and livestock are present (e.g., Zambian game management areas), and in politically unstable areas (e.g., Central African Republic). Trophy hunting thus creates economic justification for wildlife as a land use in areas that might otherwise be used for livestock or agriculture (Lindsey et al. 2006). Hunting revenues are generated across a diversity of land tenures, including state, private, and communal land. For example, in Tanzania trophy hunting generates 92% of revenues for the 48,000 km2 Selous Game Reserve (Baldus & Cauldwell 2004). In southern Africa revenues from trophy hunting were largely responsible for the development of the game-ranching industry (Bond et al. 2004). On communal land trophy hunting creates 90–95% of campfire revenues in Zimbabwe, and has provided incentives for the creation of approximately 70,000 km2 of community conservancies in Namibia (Weaver & Skyer 2003).”
In Gebieten wie dem Kongo ist Trophäenjagd sogar die einzige denkbare Form des Tourismus und schon deshalb alternativenlos, wenn man zumindest ansatzweise Wild in seinen natürlichen Lebensräumen bewahren will, weil es keine anderen Finanzmittel zu diesem Zweck gibt, als die Jagd:

„Wildlands in Africa must generate, directly or from donor contributions, funds sufficient to cover both the operating costs of conservation and the opportunity costs of foregoing other forms of resource use.“

Zum Zeitpunkt des Berichts (1999) reichten staatliche Finanzmittel und Spenden gerade einmal, um 30% dieser Kosten zu decken. Die Spendenbereitschaft von Staaten oder Privatpersonen, für Wild im Kongo zu spenden dürfte nicht nur aufgrund der wirtschaftlichen Lage des Westens abnehmen, sondern auch aufgrund der Vielfalt professioneller Spendensammelaktionen (Fundraising) von „Naturschutz-“ oder „Tierschutzorganisationen“ angefangen bei der Finanzierung von Luchs- und Wolfsprojekten in Deutschland, über Regenwaldschutzzonen bis hin zu Walen, Seerobben und Zirkuslöwen. Die Alternative anderer Formen des Tourismus verneinen Wilkie und Carpenter für Landstriche, die wie im Kongo nicht in wenigen Stunden Fahrt im Geländewagen von internationalen Flughäfen erreicht werden können. Deshalb ihr Schluss: „If taxed appropriately, safari hunting has the potential to generate substantial revenues for protected area management.”

Teil 2 incl. Literaturangaben

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