Unsere Begründung, wie wir sie an den Deutschen Presserat geschickt haben im Original: "Der Artikel 'Triumph der Knarren-Narren' verunglimpft Sportschützen und Jäger durch die Überschrift als 'Narren'. Weiters enthält der Artikel einseitig ausschließlich kritische Stimmen gegenüber dem legalen Waffenbesitz und berichtet falsch. So heißt es z.B. großkalibrige Waffen seien für 'Kunstschützen' und Jäger wegen der 'größeren Kugeln' ungeeignet. Abgesehen von dem falschen Begriff Kugeln sind je nach jagdlichem Einsatz ausschließlich großkalibrige Waffen sinnvoll (z.B. bei der Nachsuche auf angeschweißtes mittelschweres oder schweres Wild) oder ist die Beherrschung des großen Kalibers (und des damit verbundenen Hochschlags der Waffe) eben eine der zu bewältigenden Schwierigkeiten des sportlichen Wettkampfs. Im Kodex heißt es: 'Es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu verletzen.' Schon die pauschalisierende Bezeichnung 'Narren' für Sportschützen und Jäger ist ehrverletzend. Weiters heißt es im Kodex: 'Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden.' Im Text werden Jäger und Sportschützen, also eine soziale und klar identifizierbare Gruppe, durch die Bezeichnung Narren sowie durch die falsche Darstellung von Jagd/Sportschießen (eigentlich mit Großkaliber nicht sinnvoll) und die einseitige Auswahl der Befragten auf dreierlei Weise diskriminiert."
Bemerkenswert erscheinen uns auch die heftige Reaktion in den Kommentaren und die durch Stern online geübte Zensur mit dem Hinweis auf Sachlichkeit. Denn wir halten den ganzen Artikel, der nicht als "Kommentar" gekennzeichnet ist, für unsachlich.
Die Redaktion freut sich sicherlich über weitere Anregungen zur Berichterstattung über Waffenrecht, Sportschießen und Jagd.
- Artikel Stern online: http://www.stern.de/politik/deutschland/waffenrecht-nach-winnenden-amoklauf-triumph-der-knarren-narren-1550168.html
- Adresse für Mail an die Redaktion: http://www.stern.de/sonst/kontakt-e-mail-an-den-stern-501414.html
Das ist ein dicker Hund, der Stern-Artikel. Obwohl es von dem Medium, das die Hitler-Tagebücher veröffentlicht hat, wohl bei diesem Thema erwartet werden durfte, beeindruckt die grobe Verzerrung der Situation. Man kann den Artikel so verstehen, als hätten wir ein "weiches" Waffengesetz, als seien eigentlich unsinnige, aber hochgefährliche Waffen massenhaft verbreitet und leicht zugänglich und als führe dies zwangsläufig zu Amokläufen. Immerhin bekommt der Stern von mir den Preis für die desinforamtivste Bildunterzeile des Jahres "Der Täter hatte die Waffe im Haus seiner Eltern gefunden". Klar, weil so Waffen liegen ja bei jedem Schützen oder Jäger einfach herum. Kein Wunder, wenn da ein Jugendlicher austickt...
AntwortenLöschenNoch schlimmer ist dieses Zitat vom Bund Deutscher Kriminalbeamter: "Wer kann denn garantieren, dass das Foto [des Waffenschranks]und der Kaufbeleg nicht von zwanzig Waffenbesitzern gleichzeitig verwendet werden?" Bemerkenswert ist 1. die kriminelle Energie, die der Mann den Legalwaffenbesitzern unterstellt, 2. die Dummheit der waffenbesitzer, lieber aufwändig Aufbewahrungsbeweise zu fälschen, als sich so einen Schrank zu holen und 3. die Dummheit der Polizei, nicht zu merken, wenn dann der 21. Jäger reinkommt und das haargenau gleiche Foto von dem gleichen Schrank mit der gleichen Tapete im Hintergrund vorzeigt. Zum Glück haben wir ja den Bund der Kriminalbeamten, denn die merken ALLES.
AntwortenLöschenHallo Frau Hartwig,
AntwortenLöschenauch ich, von Beruf Journalist, ärgere mich als Jäger gelegentlich über die Berichterstattung über Jagd und Jäger, so sie offenkundiger Sachkenntnis und Fairness entbehrt. Und die Einrichtung Ihres Blogs empfinde ich als ausgesprochen gute Sache! Nun aber mein ABER:
Ich denke eindeutig, dass die Beschwerde beim Presserat wegen der Headline 'Triumph der Knarren-Narren' nachgerade kontraproduktiv sein wird, weil in ihm sicher 'übersensible Empfindlichkeiten' erkannt werden. Schnell heißt es dann 'getroffene Hunde jaulen'!
Mal ganz sachlich - habe den Beitrag eben selbst gelesen. Der wichtigste Punkt, an dem Ihre - ich wage nun nichts Prophetisches - Beschwerde kläglich scheitern wird: Gegenstand des von Ihnen inkriminierten Berichts ist der Versuch interessierter Bürger, eine erneute erhebliche Verschärfung unseres Waffenrechts zu initieren, sowie das Scheitern dieses Versuchs und die Lobbyarbeit von Jagd- und Sportschützenverbänden sowie der Waffenindustrie dabei. Jagd und Jäger stehen weder im besonderen Fokus des Beitrags, noch finden Sie dort übermäßig häufige, geschweige denn verunglimpfende Erwähnung. Man mag dem Autor vielleicht seine offenkundige unkritische oder unreflektierte Auffassung anlasten, immer strengere Gesetze könnten zunehmend Straftaten verhindern - das aber mag man maximal etwas beschränkt finden, justiziabel ist es keinesfalls. Und 'Narren', als an keiner Stelle des Beitrags Jäger direkt bezeichnet werden, tauchen gänzlich unverdächtig vielfach im Deutschen auf (Waffennarren, Autonarren, vernarrt sein etc.), ohne dass dem Begriff allgemein eine ehrverletzende Intention zuerkannt würde. In der Formulierung der Headline wird man bei nüchterner Betrachtung einfach das Bemühen des Verfassers um gelungenen Sprachwitz erkennen können. Ob des bei diesem Bemühen blieb oder es ein Erfolg war, ist dann schlicht Sache persönlicher Anschauung.
Wer das ehrverletzend auf sich persönlich bezieht, tut sich wohl kaum einen Gefallen - und auch der eigenen, durchaus berechtigten Sache nicht. Sollten Sie bei Ablehnung Ihrer Beschwerde eine schrifltiche Begründung erhalten, würde mich nicht wundern, wenn sie unter Bezug auf Dinge wie Meinung und künsterlische Freiheit ähnlich argumentierte, wie ich hier oben.
Schwerter aber, die man aus leicht empfundenem angegriffensein häufig zu schwingen geneigt ist, werden nicht nur schnell stumpf - man sät so auch Zweifel an seiner Eigenschaft als seriöser und kompetenter Fechter...(Bitte um Nachsicht und Verständnis dieser Metaphorik).
Was bei Menschen - ob im Presserat oder sonstwo - die aus der Distanz des Nichtjägers und Nichtschützen damit ausgelöst wird, dürfte deutlich eher ungläubiges Kopfschütteln bis mitleidiges Lächeln sein - womit die inkriminierte Headline erst volle Wirkungsmacht entfaltet. 'Knarren-Narren' - schrullige, verschrobene Spinner eben....
Wollen wir in der öffentlichen Diskussion so wahrgenommen werden?
Ich denke, das es deutlich derbere Fälle über die Berichterstattung zum Thema Jagd gibt, die solche Beschwerden nachvollziehbar machen, als das hier besprochene Beispiel.
Und im übrigen an die geschätzten Mitposter - ist ein einfacher journalistischer und zulässiger Trick: Will ich etwas insinuieren, dass ich selbst nicht belegen kann, suche ich mir einen Experten, frage den bis er mir eine Antwort gibt, die als Zitat in meinen Beitrag passt, und lehne mich entspannt zurück. Denn wenn die Äußerung Stuss ist, fällt sie ja nicht mir, sondern dem Zitierten auf die Füße...wie Sie völig richtig erkennen. Aber das dürften doch auch andere denkende Leser des Beitrags bemerken. Und gegen Dummheit ist ohnehin kein Kraut gewachsen - auch nicht in Form institutioneller Beschwerden.
Beste Grüße
Besten Dank für die Kommentare. Besonders für den ausführlichen und fundierten letzten. Natürlich kann es gut sein, daß die Beschwerde scheitert. Genau so zum Scheitern verurteilt können Briefe an die Redaktion sein. Was bleibt? Gegenöffentlichkeit schaffen. Das versuchen wir ja gerade hier mit diesem Blog (übrigens ein Projekt mehrerer Leute). Aber das wird im Großen und Ganzen auf Jäger und vielleicht einige andere Legalwaffenbesitzer beschränkt bleiben. Wir besprechen die Beiträge vorher vorab. Konsens war: Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt (Entschuldigen Sie das plumpe Zitat) und mangels Alternativen und gerade wegen der jüngsten Ablehnung darf es wieder der Presserat sein. Es ist ja nicht nur die Formulierung "Narren". Es ist die Verkürzung, die Behauptung, die Bewertung, die einseitige Auswahl der Zitatgeber - da haben die ersten beiden Kommentare Beispiele genannt. Dieses Stück journalistischer Arbeit ist kritikwürdig. Und ehrlich gesagt, auch wenn es den Begriff "Waffennarren" gibt, macht das "Knarren-Narren" nicht besser. Nicht nur ich empfinde das als beleidigend, als (bewußt?) ehrverletztend. Einen Gegner - und für Waffen-Phobiker sind alle Legalwaffenbesitzer irgendwo Gegner, denn die unterscheiden nicht in Sammler = harmlos, Jäger = mittel und Schütze = schlimm - macht man praktischerweise erst Mal lächerlich, bevor man sich seine Argumente ansieht. Die taz wählte den Begriff "Peng Gang". Die taz ist aber im Gegensatz zum Stern wenigstens noch für Wortwitz bekannt, wenn auch nicht immer für lustigen.
AntwortenLöschen